"We are only truly secure when we can look out our kitchen window and see our food growing and our friends working nearby."
(Bill Mollison)
"(Reisen) wie einer, der ein Land
nicht als Solarium begreift,
sondern als Territorium,
dessen Einwohner ihm etwas beibringen,
über sich, über ihn, über den Stand der Dinge."
(Andreas Altman, Reisen durch einen einsamen Kontinent)

jueves, 23 de febrero de 2012

Alltag und Alltagsflucht

Je mehr Zeit ich hier verbringe desto besser lernen ich diese Stadt und ihre Bewohner kennen und bekomme mit jedem Tag mehr das Gefuehl, auch "hinter die Kulissen" blicken zu koennen. Santa Marta ist eine haesslich, schoene Stadt. Andreas Altman beschreibt Kolumbien in seinem Buch "Reise durch einen einsamen Kontinent" als ein Land der Extreme und was fuer ganz Kolumbien stimmt, trifft ebenfalls fuer Santa Marta zu. Hier gibt es Alles von boese und gewaltsam bis unglaublich herzlich und gastfreundlich. Zwei Welten, die aufeinanderprallen und somit Reibungsflaeche erzeugen. Mir wird auf dem Nachhauseweg die Handtasche weggerissen, von zwei offensichtlich zugedroehnten Drogenabhaengigen. Tja Pech gehabt, zur falschen Zeit am falschen Ort und was fuer mich zutrifft gilt fuer die Beiden noch viel mehr. Tja Pech gehabt, keine Chance auf Zukunft zu haben. Wenn ich auswaehlen koennte, wuerde ich immer lieber die Ausgeraubte sein, als ein Leben in solchem Elend auf der Strasse fuehren zu muessen. Dann fuenf Minuten nach dem Raub, die ersten Kolumbianern, denen ich die Story erzaehle, entschuldigen sich sofort fuer ihre Landsleute und schaemen sich, dass Touristen in ihrem Land so etwas passiert. In der Regel sind die Menschen hier aber extrem hilfsbereit und was so total abgelutscht klingt, stimmt wirklich. Mich erschtaunt es selbst immer wieder, wie nett Kolumbianer zu wilfremden Touristen sind, weil sie ihr Land von der besten Seite repraesentieren wollen, weil sie Stolz  auf ihr Land sein wollen, das so viel zu bieten hat aber leider nach wie vor mit so vielen Problemen kaempft. Busfahrt vom Zentrum zum barrio Oasis, die vielsagender nicht sein koennte. Vorbei an Fressbuden und Konsumtempeln, Reichenquartiere mit fett umzaeunten Haeusern und je weiter man sich vom Zentrum entfernt, desto schaebiger werden die Unterkuenfte und auch die Kleidung der Menschen. Geteerte Strassen schwinden zu Staubpisten und anstatt Beton und Zement dienen Wellblech oder Holz aus Baumaterial fuer Behausungen.
Aber auch ein Gang durch die Strassen im Zentrum reicht aus um das Extreme zu erleben. Ein Eselskarren, der vor einem Riesentruck an der Ampel wartet, streunende Hunde die sich zwischen den wartenden Autos durchschlaengeln. Die 5. Avenida mit Laeden von sehr schick mit Preisen die ich mir kaum leisten kann, bis zu Laeden mit dem groessten Ramsch zu kleinsten Preisen. Fast alles was man drinnen kriegen kann, gibt es ebenfalls auf der Strasse zu kaufen . Auf den Gehstegen allerlei Kleinverkaeufer die ihre Produkte auf Marktstaenden anbieten. Oder ein umgekehrter Papkarton reicht oft auch schon als Warenauslage. Da gibt es alles zu kaufen von Batterien ueber Stifte und Hefte, alles fuer die Schoenheitspflege, Taschen, Rucksaeche, Schuhe usw. usf. Sehr beliebt sind ebenfalls Fernbedienungen oder Handyaufladegeraete und morgens kann man vom Hostel aus regelmaessig einen Verkaeufer "controles, controle, controles" (Fernbedienung)  aus vollem Leibe schreien hoehren. Die Gehsteige sind vielerorts so zugestellt mit Waren, dass ein durchkommen oft schwierig ist und man sich quasi anstellen muss um vorbeigehen zu koennen. So hat man wenigstens Zeit die wunderbaren Waren und Kuriositaeten der Haendler zu bestaunen. Die Option Strassenseite wechseln kommt hier praktisch nicht in Frage, denn 1. sieht es auf der anderen Seite ziemlich gleich aus und 2. gibt es bei dem Verkehr, der durch die 5. Avenida vorbeibraust meistens auch kein durchkommen.
Die von Verkehr verstopften Strassen und der omnipraesente Laerm, Gehupe, Gebruell, Musik aus allen Ecken, Hundegebelle oder Kindergeschrei. Dies alles macht die Stadt fast unertraeglich. Doch schon ein paar Schritte weiter sehe ich wie die ganze Stadt mit einem Mal viel weicher wird, wenn die Hausmauern von der Abendsonne orange gefaerbt werden. Und ich dann schliesslich an der Strandpromenade ankomme, wo mir der Wind durchs Haar streift und ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der Haut spuehre, und die Sonne im Meer verschwienden sehe. So denk ich dann wieder, oh du wunderschoenes Santa Marta. Zur Entspannung hilft auch immer in einer der Haengematten, auf der Dachterrasse des Hostels, die Beine hochzulegen, den Stadtlaerm nur noch von weitem zu hoehren und dazu einzudoesen.





Nach drei Wochen Santa Marta am Stueck wurde mir das Ganze dann doch zu viel, die Arbeit mit den kleinen Kindern bei Mariposas und die Arbeit mit den "grossen Kindern" im Hostel. Ich brauchte eine Pause! So fuhr ich nach Costeno Beach einem Hostel, ca. eine Stunde von hier, direkt am Strand gelegen. Und wie ich da ankomme wird mir sofort klar: Ich haette schon viel frueher hierher kommen sollen. Es ist wunderschoen hier und genau das, was eine menschliche Seele nach intensivem Stadtleben braucht. Die unglaubliche Ruhe hier, die nur von Meeresrauschen, Vogelgezwitscher und gelegentlichen Gitarrenklaengen unterbrochen wird. Der Blick auf Meer und Wellen, die angenehme Brise, die den Sonnenstrahlen die perfekte Temperatur auf der Haut gibt. Wiedereinmal im Sand hocken, in einer Haengematte schlafen und barfuss gehen. Sand, Gras und Steine unter den Fuessen, kein Stadtdreck, der einem fast die Flipflops am Boden festklebt. Den Blick auf die Sierra Nevada, die vom Dunst weichgezeichneten Berge, die wie grosse Beschuetzer weit im Hintergrund stehen und die unglaubliche weite des Horizontes ueber dem Meer. Ich hatte ganz vergessen.. Ganz vergessen, unter den Aufregungen des Stadtlebens, wie herrlich Natur und Einfachheit sein kann und wie unglaublich wichtig sie zur Erholung sind.

martes, 14 de febrero de 2012

leben...

Nun bin ich bereits zwei Wochen hier in Santa Marta, habe mich eingelebt und wieder etwas Alltagsrutine gefunden. Montag-, Dienstag- und Mittwochnachmittag bin ich immer bei den Kindern, was sehr anstrengend sein kann aber eben gleichzeitig auch herrlich ist. Eine bunt gemischte Rasselbande mit Kindern im Alter von ca. 4 bis 13 Jahren. Wir arbeiten mit drei Klassen die "Kleinen", die "Mittleren" und die "Grossen", wobei bei einigen Kindern der Wissensstand gerade im Bezug auf Lesen und Schreiben nicht dem altersgemässen Nieveau entspricht und so die Klassen eher nach Können und nicht nach Alter aufgeteilt sind. Leider merkt man vielen Kindern ihre Herkunft an, sie haben Mühe sich länger zu konzentrieren und die Umgangsformen untereinander und mit den Materialien sind oft nicht gerade zimperlich. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Die Schwierigkeit besteht darin denen etwas zu bieten, die aktiv dabei sind und gleichzeitig die im Auge zu behalten, die weniger diszipliniert sind. Leider sind die "Störenfriede" gerade die, welche es besonders nötig hätten etwas zu lernen, denn meisten kaspern sie nur rum, um von ihren Schwächen abzulenken. Glücklicherweise sind wir inzwischen regelmässig um die sechs Freiwiligen, was das Arbeiten wesentlich erleichtert. Es gab auch Tage, an denen wir nur zu Zweit oder Dritt hingefahren sind, was dann ein wesentlich grösseres Chaos bedeutete.
Die Arbeit in diesem Barrio (Quartier) hat mich ziemlich zum nachdenken gebracht, denn die Umstände in denen die Menschen hier leben sind sehr ernüchternd, ironischerweise heisst das Barrio "Oasis" gleicht aber so gar nicht dem, was man sich unter einer Oase vorstellt. Vor allem bei den Kindern sind viele Defizite bemerkbar und wenn man an ihre Zukunft denkt, wird es für viele von ihnen wohl nicht sehr rosig werden. Dann schweifen meine Gedanken weiter, Oasis ist bloss ein Barrio von Santa Marta, es gibt viele Weitere mit ähnlich schlechten Bedingungen, und dann Kolumbien weit, und weltweit gesehen. So kam dann unweigerlich die Frage, was mache ich hier überhaupt, dass hat ja doch alles keinen Sinn, schliesslich ist doch die ganze Gesellschaft, das ganze System krank! Meine Zweifel sind immer noch nicht ganz ausgeräumt aber ich kam irgendwann zum Schluss, dass man es immerhin versuchen muss. Steter Tropfen höhlt den Stein, und wenn meine Bemühungen dazu führen, dass ein einziges Kind eine bessere Chance hat im Leben zuschlage zu kommen, dann ist es das allemal Wert.



viernes, 27 de enero de 2012

Santa Marta - den Rucksack mal wieder auspacken

Santa Marta ist eine kleine Stadt (zumindest für hiesige Verhältnisse) an der Karibikküste, die alles hat was das Herz begehrt. Einkaufsmöglichkeiten en mass, süsse Bars und Restaurants, eine gemütliche Strandpromenade wo zu Sonnenuntergang geschäftiges Treiben herrscht, die Menschen die mit Plastikstühlen vor ihren Häusern auf der Strasse sitzen, Bier trinken und die neusten Geschehnisse des Tages besprechen. Überhaupt findet ziemlich viel Leben auf der Strasse statt, wie in den meisten Ländern Lateinamerikas. Das Bild ändert sich nur je nach Tageszeit, mittags sind die Fruchtverkäufer unterwegs, nachmittags haben die Eisverkäufer Hochbetrieb und abends bauen muchachas ihre provosorischen Küchen auf, um arepas, empanadas und sonst allerlei Frittiertes an den Mann zu bringen.
Die Durchschnittstemperatur hier liegt um die 30 Grad und jeden Tag strahlt die Sonne haltlos vom Himmel. Nur Abends bringt der Wind Abkühlung, der einem zeitweise auch zimlich heftig um die Ohren wehen kann. Las brisa loca, die verrrückte Brise wird dieser Wind daher auch gernen genannt.
Seit dem 25.1. bin ich nun mal wieder sesshaft und wohne in dieser tollen, vor Leben sprühenden Stadt. Für mindesten einen Monat werde ich hier in Santa Marta bleiben und in einem Hostel gegen Kost und Logie mithelfen. Meine Arbeit spielt sich an der Bar ab, die von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts geöffnet hat. Pro Woche arbeite ich 30 Stunden, mal morgens mal nachmittags mal abends/nachts. Dem entsprechend sind die  Aufgaben auch unterschiedlich von Frühstück und Mittagessen servieren über Bier und Softdrinks verkaufen oder zu später Stunde auch Cocktails mixen und die Leute unterhalten.
 Neben der Hostelarbeit bin ich zudem drei Mal wöchentlich bei "Mariposa Amarilla", einem Projekt, dass in zwei Aussenquartieren von Santa Marta "escuelas" betreibt. Montags bis Freitags immer von 14 bis 16 Uhr finden clases statt, Lesen und Schreiben, Mathe, Zeichnen oder einfach nur spielen. Hier sind die Schattenseiten des Stadtlebens zu sehen, Menschen die in Barrakken wohnen, ungeteerte Strassen, keine Busverbindung zum Zentrum und viele Kinder die gar nicht zur Schule gehen.
Auch bei uns im "centro historico" wo ich wohne, sieht man einige Randgeschöpfe der Stadt, Obdachlose, die im Müll nach Essen suchen, Kinder die Betteln und Frauen die ihre Dienste anpreisen. Einerseits ist das natürlich nicht schön anzusehen, andererseits behält man so immerhin stetig im Kopf, dass die Gesellschaft ungerecht ist und es Menschen gibt, die weniger Glück hatten als wir. Meiner Meinung nach ein ehrlicheres Stadtbild als z.B. in der Schweiz wo die Randständigen aus den Zentren vertrieben werden und einem so eine "heile Welt" vorgegaukelt wird, die aber nicht der Realität entspricht!

domingo, 1 de enero de 2012

Taganga - Weihnachten und Silvester am Strand

Wir waren nicht ganz sicher, was uns erwarten wird, da wir einiges vom beruehmt beruechtigten Taganga gehoert hatten. Ehemals kleines Fischerdorf, jetzt eine beliebte Feriendestination sowohl fuer Einheimische, wie auch fuer auslaendische Touristen. In Cartagena hatten wir, auf Grund der Hochsaison, schon ein Zimmer reserviert im Moramar, ein kolumbianisch gefuertes Hostel, laut Internet 2 Blocks weg vom Strand. Mit den Blocks wurde iher allerdings grosszuegig gerechnet, von der Unterkunft brauchte man ca. 5 Minuten um an den Strand zu gelangen, was aber immer noch total in Ordnung war. Julian, Anna, Ramon und ich kriegten das "apartamento" (die Wohnung), zwei grosse Zimmer, zwei Badezimmer (Richtig Luxus fuer 4 Personen, in Cartagena gab es im ganzen Hostel nur zwei Badezimmer!) ein Kuehlschrank und eine kleine Gaskochstelle, einfach perfekt. Simon und Sonja bevorzugten ein Privatzimmer, obwohl wir auch zu sechst in die Wohnung gepasst haetten. Die Sache war nur, dass an den Waenden ziemlich gespart wurde, sie reichten nicht bis an die hohe Decke und so war die Wohnung zimlich ringhoerig, das heisst man konnte sich ohne Probleme von Zimmer, zu Klo, zu Klo, zu Zimmer miteinander unterhalten.
Allen schlechten Nachreden zum Trotz fuehlten wir uns auf Anhieb wohl in Taganga. Ein schoener Strand, eine nette Strandpromenade, viele kleine Restaurants und Bars und traumhafte Sonnenuntergaenge. Von nun an bestand unsere Hauptaktivitaet aus Kochen und Planen was wir kochen koennten. Ein herrliches Leben, immer lange ausschlafen, danach ausgibig fruehstuecken, wir uebertrafen uns taeglich selber mit immer wieder neuen Kreationen. Und zu Weihnachten goennten wir uns sogar Nutella (Hier ein Luxusprodukt das ca. 6 SFr. pro Glas kostet.). Nachmittags war dann Strandzeit angesagt oder ausspannen im Hostel. Nach einigen Tagen hatte es sich eingependelt, dass, egal was wir am Tag machten, wir uns zum Sonnenuntergang am Strand treffen. Das machten die meisten anderen Touristen und viele Einheimischen ebenfalls und so trafen wir immer wieder bekannte Gesichter. In den zwei Wochen die wir hier verbrachten, trafen wir hier ungefaeher die Haelfte der Leute der Segeltour wieder. Nach Sonnenuntergang gings ans Abendessen kochen, auch hierbei vielen uns die wildesten Kreationen ein, ein Mix aus Deutsch, Östreichisch, Schweizer Ideen zubereitet mit Kolumbianischen Zutaten. Meistens Reis oder Pasta mit Gemuese. Und immer mal wieder gab es frischen Fisch, den wir bei den Fischern am Strand erwerben konnten.
Auch zu Weihnachten hielten wir unser Routineprogramm ein, wobei wir den Strandnachmittag besonders genossen, vor allem wegen der Tatsache hier im Bikini unter der Sonne zu sitzten und sich im Meer abzukuehlen, beim gleichzeitigen Gedanken an unsere Leute zuhause.  Nach dem Essen machten wir  uns auf ins Zentrum, schlenderten ueber die Promenade und genossen das Nachtlebe. Die Menschenmenge hatte, seit wir vor einer Woche angekommen sind, merklich zugenommen, ausgelassene Stimmung in den Strassen und diversen Bars, und von allen Seiten wurden wir mit Musik beschallt. Ein buntes Treiben, einfach herrlich. Wir machten es wie die Einheimischen, kauften uns Bier, setzten uns an die Strasse und schauten den vorbeiziehenden Menschen zu. Dann und wann stellten wir uns in eine Bar um einem Live Konzert zuzuhoeren oder tanzten zu, von anderen Reisenden gespielten Trommelrythmen.

Zu Silvester beschlossen wir einmal etwas Einfaches zu kochen und so gab es ein riesen Topf Nudelsalat. Vorausschauend hatten wir eine Extraportion gemacht, um den Hunger stillen zu können, wenn wir nach dem Feiern nach Hause kommen wuerden. Die Stimmung war schon im Hostel ausgelassen und nach dem Essen und etwas feiern mit den Hostelmenschen sind wir dann wiederrum ins Zentrum losgezogen. Die Bars und Strassen waren noch befuehlter als zu Weihnachten und man brauchte nicht einmal reinzugehen, gefeiert wurde auch ueberall auf den Strassen.

Nach zwei Wochen hatten wir dann genug von Taganga, vor allem, weil der Strand einfach zu überlaufen war mitlerweile. So zogen wir weiter nach Palomino, zwei Stunden die Küste hoch, dieses Mal nur noch zu viert, Sonja und Simon verliessen uns um Minca auszukundschaften.

lunes, 19 de diciembre de 2011

Cartagena de Indias - Kolonialstadt in Prachtform


Wow, wieder einmal in einem richtigen Bett schlafen und eine richtige Toilette benutzen. Ein Luxus, den ich in den letzten 7 Tagen, während der Segeltour, nicht geniessen konnte. Nach der Dusche fühlte ich mich wie neu geboren, vor allem auch deshalb, weil meine Haare endlich wieder mit Shampoo in Berührung gekommen sind, was bitter nötig gewesen war. Wir wohnten in der Altstadt im Hostel Casa Viena im Teil Getsemani, dem ursprünglichsten Teil der Altstadt. Die nächsten Tage verbrachten wir mit feiern und Stadt anschauen, beides kann hier ausgiebig betrieben werden. Nachmittags durch die Gassen spazieren und die alten Mauern und schönen Häuser bestaunen, sich einen Snack an den zahlreichen Strassenständen gönnen oder ein Bier auf einem der vielen Plazas geniessen, und den worbeiziehenden Menschen zuschauen. Und zu späterer Stunde die verschiedenen Bars auskundschaften, wobei wir uns schon am ersten Abend mit einem Chilenen angefreundet hatten und von da an Stammgäste bei ihm in der Bar waren.



Es hätte sich auf jeden Fall noch länger ausgehalten in dieser rauschenden Stadt aber es zog uns Richtung Strand. Hier haben Julian und ich auch Simon und Sonja (Östereicher Freunde von Ju, von denen wir uns in David, Panama getrennt hatten) wieder getroffen und Anna und Ramon (Bruder und Schwester aus Hannover) schlossen sich ebenfalls unserer Gruppe an. So fuhren wir nach vier Tagen Cartagena zu sechst nach Taganga.
Der zweite Eindruck von Kolumbien, nach Sapzurro und Capurgana, war ebenfalls erfreulich und ich konnte gar nicht abwarten noch mehr von diesem Land zu entdecken. Von diesem Land das heute immer noch von vielen gefürchtet wird, dessen Menschen aber so Stolz sind und den Touristen die besten Seiten ihrer Heimat zeigen wollen.

jueves, 15 de diciembre de 2011

Abendteuer Segeltrip

Nach dem ich 9 Monate in Mittelamerika unterwegs war, wurde es an der Zeit diesem Teil von Latinamerika adios zu sagen und nach Südamerika aufzubrechen. In Panama City haben Julian (mein Österreichischer Reisefreund) und ich ein Segelschiff ausfindig gemacht, dass uns in 5 Tagen nach Kolumbien bringen sollte.
Am 9. Dezember ging das grosse Abendteuer in Puerto Lindo an der Karibiküste los. Um 6 Uhr in der Früh bestiegn wir mit 10 Mitreisenden die "tres amigos". Schon von vornherein hatte Kaptiän Brain angekündigt, dass unsere Reise, auf Grund des eher schlecht gemeldeten Wetters, bis zu 7 Tagen dauern könnte. Das war für uns natürlich kein Problem im Gegenteil, wir freuten uns auf die Extratage.
Nachdem die letzten Vorbereitungen erledigt und alles Nötige auf dem Schiff verstaut waren, gings voller Vorfreude und mit einem Lachen im Gesicht los. Mittags erlebten wir bereits die erste Überraschung, die am Boot festgebundene Fischerrute meldete sich und wir zogen einen riesen Fisch an Land, ein Dorado, der für die nächsten drei Malhzeiten ausreichte. Später am Nachmittag wieder grosse Aufregung, Delfine schwammen ein paar Meter vom Boot mit uns mit. Herrlich diese anmutigen Tier aus nächster Nähe beobachten zu können, ein Anbick den wir in den folgenden Tagen noch öfters geniessen durften. Nach ca. acht Stunden Fahrt erreichten wir dann schliesslich die ersten San Blas Inseln und wir fühlten uns wie im Paradis. Im Schutze der Inseln setzten wir den Anker um die Nacht hier zu verbringen. Die Fahrt war zwischenzeitlich ziemlich wellenreich gewesen und wir waren froh nun wieder normal auf dem Boot umher gehen zu können, ohne dass man sich bei jedem Schritt festhalten muss oder gegen die Möbel und Wände stösst.
Mir hat das Leben an Bord total Spass gemacht obwohl es zeitweise echt eng gewesen ist. 11 Personen auf kleinstem Raum und das Wetter war leider nicht auf unserer Seite, es regnete viel was den eh schon knappen Platz noch verkleinerte. Die nächsten Tage spielten sich dann wie folgt ab. Aufwachen, an Bord gehen, den paradisischen Ausblick auf die Inseln geniessen und noch mit Schlaf in den Augen ins Meer springen. Danach wurde gefrühstückt und dann war immer noch Zeit um ein bisschen zu Schnorcheln oder die Inseln auszukundschaften. Dann ging die Fahrt weiter bis wir abends neue Inseln erreichten. Die Zeit vertrieben wir uns mit lesen, schreiben oder einfach das Meer ankucken oder leider oft auch damit, die Wolken zu beobachten und abschetzen zu versuchen, wann der Regen wohl aufhören würde. Um Mittag, Abendessen und den Abwasch kümmerten wir Passagiere uns selber, der Kapitän hatte uns das mit 50 Doller Preisnachlass angeboten. Bei 475 Doller Fahrtpreis war das allen willkommen.
Nach 4 Tagen zwischen den San Blas Inseln durchsegeln, erreichten wir am fünften Tag Capurgana, Kolumbien, wo wir die Einreisevormalitäten erledigten. Die Nacht verbrachten wir vor Sapzurro, einem kleinen Fischerdorf gleich neben Capurgana. Zum Abendessen gingen wir in ein Restaurant im Ort, eine willkommene Abwechslung, nachdem wir die letzten Tage immer selbst gekocht hatten. Für mich war das auch ein mehr oder weniger historischer Moment, denn seit dem selbst gefangenen Dorado habe ich, nach über 10 Jahrern Vegetarier-Dasein, wieder angefangen Fisch zu essen, und nun im Restaurant auch meinen Fischteller gekriegt. Der Fisch hätte frischer nicht sein können und zerfiel fast wie Butter auf der Zunge. Dazu gab es Reis und Patakones (fritierte Kochbananen), ein richtiger Festschmaus!
Seit wir die San Blas Inseln verlassen hatten, wurden wir nun auch mit dem schönsten Wetter gesegnet, was bei den meisten von uns mit Sonnenbrand endete. Sonnenhungrig wie wir waren, nach den ganzen Regentagen, hatten wir uns nicht im Griff und setzten uns zu lange den wärmenden Strahlen aus. Seit die Wolken weg waren, konnten wir nachts auch einen spektakulären Sternenhimmel bestaunen.
Am nächsten Tag stand uns dann schliesslich die grosse Überfahrt bevor. Bis jetzt sind wir maximal acht Stunden am Stück gefahren und aussschliesslich tagsüber. Jetzt warteten 30 Stunden Fahrt auf uns und das auf offenem Meer. Die von Seekrankheit Geplagten sorgten mit Tabletten vor, mir ging es zum Glück ganz gut. Nur der erste Tag war etwas komisch gewesen, danach hatte sich mein Magen an das Wellen gewöhnt. Was mir mehr Mühe machte, war mich an Land zu bewegen, echt ein schräges Gefühl, wenn man trotz festen Boden unter den Füssen das Gefühl hat, alles bewege sich!
Die erste Hälfte der Nacht verlief dann auch ziemlich ruhig und so schlief ich ohne Bedenken ein. Irgendwann wurde ich davon geweckt, dass Rachel und Gery ihre Matratzen ins Bootsinnere verschoben. Die beiden hatten ihr Schlaflager eigentlich auf Deck aber bei Regen ist das nichts. Danach bemerkte ich, dass ich fast aus dem Bett falle, und hörte heftigen Regen gegen die Scheiben prasseln. Das war nicht normal, ein Sturm zog über uns vorbei. Noch eine ganze Weile fühlte ich mich wie auf einer Achterbahn und das liegend im Bett, bis sich dann alles wieder beruhigte und ich wieder schlafen konnte.
Am nächsten Tag war mir wehmütig zu Mute. Der letzte Tag stand bevor und obwohl ich mich wieder auf mehr Platz freute, auf eine normale Toilette und wiedermal eine richtige Dusche, wollte ich nicht, dass der Trip jetzt schon zu ende ist. Ich liebte diese Fahrt, jeden einzelnen Tag, auf dem Meer zu sein, den ewigen Horizont zu betrachten, stunden lang den Gedanken nachzuhangen, den Wind im Haar, Sonne im Gesicht und auch der Regen gehörte halt dazu.