"We are only truly secure when we can look out our kitchen window and see our food growing and our friends working nearby."
(Bill Mollison)
"(Reisen) wie einer, der ein Land
nicht als Solarium begreift,
sondern als Territorium,
dessen Einwohner ihm etwas beibringen,
über sich, über ihn, über den Stand der Dinge."
(Andreas Altman, Reisen durch einen einsamen Kontinent)

jueves, 30 de agosto de 2012

Valladolid – Auf geht die Reise


Wir hatten  zwei Wochen bei Rahel in Playa del Carmen verbracht und nun war es für Steffi und mich an der Zeit aufzubrechen. Rahel und Salvador mussten wieder arbeiten und wir hatten Lust auf einen Szenenwechsel.
Als erstes Ziel setzten wir uns Valladolid, ca. zwei Stunden weg von Playa, im Landesinneren. Ich kannte das Städtchen schon von letztem Jahr und fand dies sei ein guter erster Stopp, zwar nicht mehr am Strand, aber dafür viel ruhiger als Playa und auch um einiges authentischer. Wir quartierten uns im Hostel los Frailes ein, geführt von einem netten Mexikanischen Eherpaar.
Valladolid ist auch bekannt für die Nähe zweier berühmter Mayaruinen, ChichenItza und EkBalam. Eigentlich wollten wir uns ChichenItza anschauen, doch dann entschieden wir uns für EkBalam, etwas kleiner , weniger touristisch und im Gegensatz zu ChichenItza können in EkBalam die Ruinen noch bestiegen werden, für mich immer ein Höhepunkt solcher Besichtigungen.
Mit einem Taxicollectivo fuhren wir ca. eine Stunde aus der Stadt raus bis wir die Ruinenstätte erreichten. Am Ticketschalter mussten wir einmal tief Luftholen, der Eintritt kostete 90 Pesos. Der eigentliche Preis wäre nur 35 Pesos gewesen aber dazu kamen noch 55 Peso Taxen, weiss der Teufel für was!
Es hat sich aber dann doch gelohnt, für Steffi war es schliesslich die erste Mayaruine die sie sah und ich hatte zwar schon einige gesehen aber EkBalam war auch für mich spannend. Als wir die höchste Pyramide erklommen hatten, bot sich uns ein wunderbares Panorama über die restlichen Bauten und den Yukatanischen Dschungel soweit das Auge reichte zu allen Seiten.
Schwitzend hatten wir nach ca. einer Stunde den Rundgang beendet, die Hitze ist hier mindestens so stark wie in Playa del Carmen nur das hier der Wind fehlt, was das Ganze noch unerträglicher macht. So haben wir uns für eine Abkühlung entschieden und die 2 km entfernte Cenote besucht, weitere 30 Pesos Eintritt, aber das erfrischende Wasser war es alle Male wert. Cenoten sind ganz bekannt für die Yukatanhalbinsel. Einfach ausgedrückt sind das Wasserlöcher oder mit Süsswasser gefüllte Höhlen, die über die ganze Halbinsel verteilt und durch unterirdische Tunnels miteinander verbunden sind. Manche sehen aus wie Pools, die zum Schwimmen verwendet werden, andere sind eher Höhlen und können durch Tauchen entdeckt werden. Über die Entstehung der Cenoten weiss man grundsätzlich wenig. Klar ist allerdings, dass die Mayas sie zur Wasserversorgung ihrer Stätten benutzt hatten.
Nachdem wir den mittäglichen Hunger mit Quesadillas (mit Käse gefüllte Tortillas) gestillt hatten, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Unterwegs zurück zumTaxi überraschte uns der Nachmittagsregen. Ein Wolkenguss erbrach sich über uns nur, damit eine halbe Stunde später die Sonne wieder mit voller Kraft scheinen konnte. Als wir auf ein Taxi warteten, ergab sich wieder ein Gespräch, wie so oft, wenn man sich zu anderen Wartenden hinsetzt. Von wo wir sind wollen die meisten als erstes wissen und dann oft auch die Frage, ob man denn mit dem Bus in die Schweiz fahren könne. Für Steffi eine gute Gelegenheit ihr Spanisch zu praktizieren und für die Anderen amüsant mitzuerleben. Viele können nicht ganz verstehen, wie es so schwierig sein kann Spanisch zu sprechen aber sie geben sich Mühe und freuen sich, dass man es versucht.
Am nächsten Tag haben wir uns das Valladolid angeschaut, sind über den Markt geschlendert und am Abend wurden wir vom Hostelbesitzer zu einer Kulturvorführung eingeladen. In einem nahe gelegenen Dorf wurde von den Bewohnern eine Mischung aus Mayaritual und traditionellen Mexikanischen Tänzen vorgeführt. Der erste Teil bestand in einem Dankensritual für die Götter, wo Gaben, wie Früchte, Mais und ein Schwein, dargeboten wurden um für eine gute Ernte zu bitten. Im zweiten Teil kamen Tanzpaare auf die Bühne mit traditionellen Kleidern aus verschiedenen Staaten Mexikos. Zur jeweils typischen Musik wurden dann paarweise die passenden Tanzschritte aufgeführt. Ein bunter Abend und eine gute Gelegenheit etwas Kultur mitzunehmen. Nachdem Spektakel zeigte uns der Hotelbesitzer noch eine Mayakirche, wo heute noch vermischt mit dem Katholizismus, der Mayaglaube praktiziert wird.











jueves, 23 de agosto de 2012

back in Playa

Nach dem ich am 1. März 2011 das erste Mal in Cancun geladet bin, war es am 9. August 2012 wieder soweit. Dazwischen lagen 1 Jahr, 5 Monate und 9 Tage Abenteuer, unterwegs sein, Erfahrungen sammeln, Menschen treffen, LEBEN.
Mit meinen Erlebnissen im Hinterkopf war nun meine 2. Landung in Cancun ganz schön aufregend. Wie wird es wohl diesmal sein? Habe ich mich wirklich verändert in der ganzen Zeit? Haben sich die anderen verändert? Abgesehne vom Zurückkehren nach Mexiko und im Speziellen nach Playa del Carmen war es auch ein Wiedersehen mit Rahel und Steffi die ich über 1 respektiv 2 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Doch auch wenn sich vieles geändert hat in der Zeit zwischen Mexiko 1 und 2, war einiges doch immer noch beim alten. Die drückig, feuchte Luft schlug mir auch diesmal direkt entgegen, sobald ich das Flughafengebäude verlassen hatte. Die Kollectivo-Frahrer versuchen immernoch einen abzufangen und der ADO Bus fährt immer noch vom selben  Parkplatz weg. Ohhh mi Mexico, te amo. Das dachte ich schon beim Landeanflug, und auch wenn es lange her ist, irgendwie fühlte ich mich sofort wieder wie zu Hause. Den Kopf voller Gedanken und berieselt vom, im den Bussen üblichen Fernsehrer, verstrich die stündige Fahrt bis Playa del Carmen im Nu.
Wiedersehen bei Rahel zu Hause. Und das Gute an besten Freunden ist nun einmal, dass obwohl die ersten Momente etwas komisch sind, und man es kaum glauben kann, dass man sich nun wirklich wieder in den Armen liegt, dass es sich nach kürzester Zeit wieder anfühlt wie immer, und wie wenn man nie getrennt gewesen wäre. Zwei Tage später kam Steffi an und das Selbe hat sich nochmals abgespielt. Nun wohnen wir seit einer Woche zusammen und nur wenn ich richtig darüber nachdenke, merke ich, wie aussergewöhnlich das eigentlich ist! Ein weiterer Beweis dafür, dass wahre Freundschaft auch über lange Distanz bestehen bleiben kann. Und obwohl wir uns alle verändert haben, entdeckt man nach kürzester Zeit jedem seine Eigenarten wieder. Steffi lässt immer noch gerne Licht im Bad brennen oder findet ihre Brille nicht (zum Glück hat sie noch keinen Schlüssel) und Rahel kauft immer noch zu kleine Schuhe.

Rahel und Salvadors Hochzeit war natürlich dann der Höhepunkt und schlussendlich auch Auslöser unseres Wiedersehens. Und es war unglaublich schön miterleben zu dürfen, wie eine weitere Freundin den Bund fürs Leben schliesst.

Steffi, wie immer bei wichtigen Anlässen, eine Rede am halten. Ich übersetze auf Spanisch.

jueves, 9 de agosto de 2012

Bogota zum Zweiten

Wie immer fällte der Abschied schwer aber dieses Mal war es besonders hart. In der Comuna de Rhiannon habe ich nicht nur einen paradisischen Ort gefunden, sondern auch eine zweite Familie, und so fällt aufwiedersehen sagen natürlich nicht leicht. Aber eins steht fest: I'll be back, ich komme wieder!
Mit einem Zwischenstopp in Quito und Popayan bin ich dann zum zweiten Mal in Bogota gelandet. Zum Glück empfieng mich Karla wieder mit offenen Armen und so bedeutete der Abschied von Ecuador auch ein Wiedersehen mit einer Freundin.
Ein bisschen Kulturgeschockt war ich ja schon, nach 2 Monaten ländlichem Ecuador wird man von der 8 Millionen-Stadt Bogota ziemlich überwältigt. Der Verkehr, die Abgase, die Menschenmenge und das Elend, das überall auf der Strasse sichtbar ist. Und Kolumbien ist halt trotz allen guten Seiten, die das Land mittlerweilen hat, nicht die Schweiz und es passieren Sachen die wir uns nicht im Traum vorstellen. Karlas Bruder, 22jährig sass gerade über einen Monat unschuldig im Gefängnis. Er wurde angeklagt einen Mann erschossen zu haben und die Gegenseite hatte sogar einen Falschzeugen organisiert, der aussagte dass er ihn bei der Tat gesehen hatte, alles erstunken und erlogen! Schlussendlich fand man durch eine DNA Probe heraus, dass das alles so gar nicht stimmen kann. Karlas Familie hatte also nochmal Glück gehabt aber ein wieterer Beweis dafür, dass in einem so korrupten Land, jeder der genug Geld hat, machen kann was er will.  Bitterer Nachgeschmack der ganzen Geschichte, Karlas Bruder wurde zwar freigesprochen, kann nun aber das Haus nicht verlassen weil er sonst Gefahr läuft umgebracht zu werden. Der Fall war in Kolumbien so gross in der Presse vertreten, dass ihn nun jeder auf der Strasse erkennt.
Auf dem Nachhauseweg vom Abendessen im Zentrum dann das nächste Ereignis. Wir halten an einer roten Ampel, da sehen wir eine Gestalt ums Auto schleichen, hören ein komisches Schleifgeräusch und zuhause stellen wir fest, dass an Karlas Auto eine Gummiabdeckung vom Dach fehlt. Deshalb halten viele Menschen nicht an roten Ampeln, weil man dann nie weiss, was danach am Auto fehlt! Ok, es ist natürlich nicht in der ganzen Stadt so, aber die calle 19 (eine der Hauptverkehrsachsen im Zentrum), erklärt Karla, sei berüchtigt dafür.
Am nächsten Tag ist Stadtfeiertag in Bogota und so beschliessen wir raus zu fahren, zu einem Picknick. Wir sind natürlich nicht die einzigen, denn wie in vielen Ländern ziehts die Menschen an Feiertagen ins Grüne. Die Überlandstrasse ist dicht befahren, und so schlängeln wir in einer Kolonne durch die grünen Hügel. Eine Stunde verstreicht und die Häuser werden endlich weniger. Irgendwo halten wir an und breiten uns auf einer Wise aus, die zwar eingezäunt ist, aber hier nimmt mans nicht so genau. Während wir unsere Brote streichen, fängts dann plötzlich zu tröpfeln an, schlechtes Timing! Aber ein bisschen aushalten, ein bisschen so tun wie nichts wäre und schon bald drückte die Sonne durch die Wolken und ein strahlender Nachmittag stand uns bevor.
Später gesellt sich noch eine Kolumbianische zu uns auf die Wiese mit und Hund Kegel. Die Kinder lassen Drachen steigen, eine beliebte Beschäftigung hier. So liegen wir im Gras, schauen den tanzenden Drachen zu, und versuchen Dinge in den vorbeiziehenden Wolken zu entdecken. Herrlich, die Vögel zwitschern und die Luft ist erfrischend sauber hier draussen.


Fotos: Daniel Dobleu
Als wir zurückfahren wollen, die nächste Überraschung: Die Autobatterie hat sich entladen, wir haben vergessen das Licht auszuschalten. Ein Hin und Her, ein bisschen schieben und versuchen durch rollen den Motor einzuschalten. Bringt nichts. Wir halten ein vorbeifahrenden Polizisten an und bitten ihn um Hilfe, ein Hin und Her, der Polizist hält ein Auto an, wir überbrücken. Bringt nichts. Der Polizist fährt weiter und rät uns ledeglich den servicio anzurufen, na Danke schön! Wieder ein bisschen schieben und nochmal probieren, bringt immer noch nichts. Wir versuchen ein weiteres Auto anzuhalten und fuchteln mit den Kabel am Strassenrand herum. Entgegen der üblichen Kolumbianischen Hilfsbereitschaft hält keiner, und an einem Feiertag auf einer Landstrasse fahren nicht gerade wenige Autos vorbei. Doch die Leute lächeln bloss oder winken uns zu. Dann doch, endlich, jemand hat Erbarmen, vier Frauem mit lustigen Hüten und einem Hund halten an. Die Kabel werden verbunden, es wird aufs Gas gedrückt und siehe da, juheee, unser Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Unter erleichtertem Gelache machen wir uns auf den Rückweg, den Berg wieder hinunter, an den grünen Hügeln vorbei, zurück in die Stadt, zu den Betonblöcken und Abgaswolken.

Bogota war wieder, wie schon letztes Mal, schön, spannend und hässlich zugleich. Alles auf einmal und alles irgendwie extrem. Und wieder bin ich dankbar, dafür zum Beispiel, dass man bei uns ohne Sorge an roten Ampeln halten kann und in der Regel keine unschuldigen 22 Jährigen als Mörder angeklagt werden.


miércoles, 1 de agosto de 2012

otro mundo es possible - es geht auch anders!

Durch Zufall  oder wie man das auch immer nennen will, bin ich in der "Comuna de Rhiannon" in Malchingui, Ecuador gelandet und habe dort zwei unglaubliche und unvergessliche Monate verbracht. Eine Lebensweise die bestimmt nicht jedem Zusagt, sich für mich aber wie die Ankunft in ein lange gesuchtes Paradis anfühlte.



















lunes, 30 de julio de 2012

Als die Schweine abhauten und das Gewächshaus fast davon flog.

Zwei Monate habe ich in der Comuna de Rhiannon verbracht und jeder Tag war so ausgefühlt, dass ich abends müde ins Bett gefallen und im Nu eingeschlafen bin. Viele haben mich gefragt, ja was macht ihr denn da den ganzen Tag? Und erlich gesagt war das immer eine der schwierigsten Fragen zu beantworten. Also ich habe vor allem im Garten gearbeitet, Unkraut jäten, Samen setzen, Setzlinge vom Gewächshaus ins Freie setzten, Beete vorbereiten. Andere haben mit Reperaturarbeiten oder neuen Konstruktionen den Tag verbracht. Und daneben verstrich die Zeit einfach wie im Fluge..

Ein typischer Tagesablauf sah so aus:
7.00 Frühstück
7.45 Morgensitzung zur Planung des Tages
8.00-11.00 Arbeiten
11.00-11.30 Pause
11.30-13.30 weiter Arbeiten
12.30 für das Mittagsteam anfangen zu kochen
13.30/14.00 Mittagessen

Danach steht der Nachmittag zur freien Verfügung. Mehr oder weniger regelmässig gab es um 15.30 eine Yogaklasse. Oder man hatte Zeit um ins Dorf zu gehen, Wäsche zu waschen oder einfach mal ausspannen, lesen, Guitarre spielen und auch ein Nickerchen halten war sehr beliebt.

17.00-18.00 Abendwässern
ab 18.00 Abendteam beginnt zu kochen
19.30/20.00 Abendessen

und für das Frühstücksteam beginnt der Tag um 6.00

Die Arbeit beginnt mit den Dingen die täglich verrichtet werden müssen wie Tiere füttern, Bewässern, Gemüseernten und Putzarbeiten. Danach widmet sich jeder seinem Gebiet, Garten oder Handwerkliches oder was sonst gerade so ansteht. Je nach Begabung und Interesse werden die Freiwilligen eingeteilt.
Durchschnittlich leben um die 15 Personen auf dem Hof. Das sind neben den Besitzerinnen Nicky und Helen mit ihrem 8 Monate alten Baby Satya, Freiwillige aus aller Welt, die für mindestens 2 Wochen ihre Hilfe auf dem Hof anbieten. Zur ständigen Crew gehöhren auch mitlerweilen 8 Hunde, 1 Katze, 2 Schweine, 6 Hühner und 1 Esel.

Neben dem alltäglichen passieren dann eben auch immer mal wieder ungeplante Dinge wie zum Beispiel wenn die Schweine aus ihrem Gehege ausbüchsen. Und anstatt einfach zu verschwinden spazieren sie vor dem Hof herum, damit wir es ja auch merken. Mir kam das mehr so vor als wenn das ihr Lieblingsspiel wäre, wieder einmal ein bisschen ausbrechen, so zur Abwechslung. Mit einem Eimer voller Futter kriegt man sie dann wieder zurück. Das Gehege wird mit einigen weiteren Brettern und Nägeln repariert, bis zum nächsten Mal.

Und anstatt zur offenen Tür wieder in das Gehege zurückzukehren, zwängt sich das  Schwein durch das neu geschaffene Loch, und bleibt fast drin stecken.

Oder ganz spannend war auch, als wir ein Huhn von einem Hundeangriff retten mussten. Eine neue Freiwillige, Chou aus Taiwan, öffnet das Dach des Hühnerstalls und da ergreifft ein Huhn die Chance und fliegt heraus, für die Hunde natürlich ein gefundenes Fressen. Die Hunde die sowieso die Hühner immer mit ganz gierigen Augen anschauen und auf genau einen solchen Moment warten! Also wir alle drinnen gemütlich am lesen, als wir draussen jemanden schreien hören. So rennen wir raus und sehen das Desaster, 4 Hunde gegen 1 Huhn, schon ein bisschen gemein. Wir konnten das Huhn erfolgreich befreien, die Hunde sind mit hängenden Köpfen und traurigen Äugchen, über die verlohrene Beute, abgezogen. Das Huhn wurde professionell verarztet und hat das ganze schlussendlich überlebt, und hoffentlich seine Lektion gelernt!
Solche Dinge passieren natürlich auch immer Nachmittags, wenn alle am auspannen sind. Wie an dem Tag wo der Wind so stark war, dass die Gewächshaustür beim öffnen, sammt Rahmen ins Gewächshaus reinflog und auf den Tomaten landete. Nicky und Helen haben mir dabei von der Küche aus zugesehen und konnten ihren Augen nicht trauen.
Der Sommer ist in Malchingui immer bekannt für sehr starke Winde und jedes Jahr fliegen irgendwelche Dächer weg. Aber diese unglaubliche Energie selber zu spühren ist echt krass. Das beeindruckende ist auch, dass es nicht nur für ein, zwei Stunden windet, sondern zum Teil bis zu zwei Tagen ununterbrochen tobt. So dass wir bei der Gartenarbiet wie halbe Mumien ausschauten, da man sich Mund, Nase und Augen bedecken muss um sich vom aufwirbelndem Sand und Staub zu schützen.
Die Gewächshaustür haben wir dann notdürftig wieder angebracht und die grössten Schäden am Dach versucht zu beheben. Bei diesen Winden fällt das Reparieren natürlich auch nicht leicht. Dann war das ganze geschafft und wir wieder am aufatmen, als zwei zurückkehrende Freiwillige berichten, dass das Eselgehege auf einer Seite eingefallen ist. In diesen Momenten kann man es einfach kaum glauben! Also wieder raus, wieder Tücher vors Gesicht binden, den Schaden begutachten und mit verreinigten Kräften das Eselsgehege reparieren. Und mit Schnur, denn Helens Grossvater sagt, es gibt nichts, das nicht mit Schnur geflickt werden kann. Und es funktioniert!
So passiert immer etwas und es wird nie langweilig und am Ende des Tages weiss man gar nicht wie die Zeit wieder so schnell vorbeiziehen konnte.

Und das Highlight fand jeden Morgen statt. Wenn ich noch vor dem Frühstück aufs Klo musste und ganz verschlaffen aus dem Haus trat. Wenn mir die Hunde entgegensprangen um mich zu begrüssen und quitschten vor Freude und wenn ich mich dann auf die Bank setzte um kurz inne zu halten und auf die Berge zu schuen und den schneebedeckten Vulkan, der gerade von den ersten Sonnenstrahlen beschienen wurde, dann war das so ein magischer Augenblick, dass ich mein Glück  kaum fassen konnte.

http://www.rhiannon-community.org/

sábado, 17 de marzo de 2012

Adios Santa Marta - Hallo Grippe, Regen und Höhenkrankheit

Sechs Wochen war ich nun in Santa Marta und das Hostel zu verlassen viel mir auf keinen Fall einfach. Um den Abschied etwas sanfter zu gestalten, fuhr ich noch einige Tage nach Taganga, wo ich bei einem Freund gratis übernachten konnte. So konnte ich etwas Abstand gewinnen, hatte Santa Marta aber immer noch in Reichweite. Um eine bleibende Erinnerung von der Küste mitzunehmen, beschloss ich mit einer Freundin ein Pircing machen zu lassen. Ich war mir bis zum Schluss nicht ganz sicher, ob ich wirklich sollte, doch als ich den Preis erfragte, und von der netten Dame 15000 Pesos zur Antwort bekam, brauchte ich nicht weiter nachzudenken. In der Schweiz bezahlt man für das gleich um die 100 Franken, hier waren es glatte 7.50.- , so ziehrt nun ein Silbersteinchen meine Unterlippe;-)
In den letzten Taganga-Tagen hatte ich noch ein witztiges Erlebnis. Es gibt ein Büchertauschladen, geführt von einer Schweizerin, wo ich etwas rumstöberte. Schon beim Eintreten hatte ich den Sohn irgendwas auf Berndeutsch schreien höhren, was mich ziemlich amüsierte. Als ich durch war mit gucken, richtete ich mich mit ein paar Fragen an ihn. An der Wand hing ein Zettel, wo Freiwillige für einen Kindermalnachmittag gesucht wurden. Der Sohn wusste selbst nicht recht und schrieh dann zur Mutter "z Frölein het do e Frog..". Noch auf dem Nachhauseweg konnte ich mir das Grinsen kaum verkneifen, als Frölein wurde ich also SEHR lange nicht mehr bezeichnet! Am nächsten Tag half ich dann tatsächlich beim Malen und kam mit einer anderen, ca. 60jährigen Schweizerin ins Gespräch. Als sie mich fragte "schaffet si scho lang mite Ching" musste ich zwei Mal nachfragen, weil ich dachte die Frage nicht verstanden zu haben und schlussendlich dann fragte, wenn sie den mit "si" meinte? Als sie mich verwirrt anschaute ging mir auf, dass sie mich selbst meinte. Nur hatte ich die Höflichkeitsform schon so lange nicht mehr gehört, dass ich es nicht mal mehr verstand. Da wurde mir bewusste, dass ich echt schon eine Weile unterwegs bin.

Mit schwerem Herzen stieg ich dann schlussendlich Freitagabends in den Nachtbus nach Medellin ein. Es war ja nicht nur das vom Hostel weggegen sondern auch die Tatsache, dass ich nun, nach über drei Monaten immer am Meer sein, die Küste verlassen musste. Ich wollte ja weiterreisen und neue Orte entdecken aber der Gedanke nun das Meer und auch das super Wetter für eine ganze Weile nicht mehr sehen zu können, gefiel mir gar nicht. Und wie wenn Petrus mir noch Eins auswischen wollte begann es auch schon wenige Stunden nach der Abfahrt zu Regnen! Immer hin ein Lichtblick, im Bus wurde ein Film gezeigt, denn ich von einer Busfahrt in Nicaragua kannte, das Ende aber nie gesehen hatte, da der Busfahrer irgendwann, ohne Vorwahrnung einfach den Film gegen eine Karaoke-CD austauschte. So freute ich mich darauf nun endlich erfahren zu können, wie es ausgeht. Aber irgendwie war ich ziemlich erschöpft. Noch im Hostel hatte ich die Grippe aufkommen gespürt, und mir deshalb ein Alka-C für die Nacht gegönnt. Meine Augen wurden immer schwerer und ehe ich mich versah, lief der Abspann über den Bildschirm, so ein Mist, schon wieder denn Schluss verpasst. Die Wirkung des Alka-Cs liess dann leider auch immer mehr nach, meine Füsse begannen Eiswürfeln zu gleichen, da sich Kolumbianische Busse wohl mit Tiefkühlern verwechseln und die Klimaanlagen immer unmenschlich kalt eingestellt werden.Und so, während sich der Bus immer weiter bergauf schlängelte, ging es mit mir immer weiter bergab!
Nach einer durchfrohrenen und nicht sehr erholsamen Nacht kam dann morgens unterwartet das Erstaunen. Wir passierten Landschaften wie aus einem Märchenland. Überall Hügel und Berspitzen um uns herum und der Morgennebel zog durch die Täler, wie wenn jemand eine Rauchmaschiene angeschaltet hätte. Es war so traumhaft schön, dass ich es kaum glauben konnte.
In Medellin dann erneut die Ernüchterung. Die Reise und die Nacht im Bus hatte mich so  viel Kraft gekostet, dass ich nun entgültig die Grippe hatte, da half auch kein Alka-C mehr. Zwei Tage lag ich flach. Muss wohl ein komisches Bild abgegeben haben, bei den Couchsurfern, bei denen ich übernachten konnte. Komme rein, hatte noch die Energie für ein 10 Minuten Anstandsgespräch, bevor ich dann ins Bett sank und für die nächsten zwei Tagen praktisch nicht mehr aufstand.

Am Montag hatte ich mich dann so weit erholt, dass ich immerhin die Stadt besichtigen konnte. Und wie ich so durch die Strassen gehen wird mir plötzlich bewusst, wieso ich seit Tage so unglaubliche Kopfschmerzen habe: die Höhe! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, als ich eine Treppe hochstieg und schon nach den ersten paar Stufen um Atem rang und oben angekommen einem Herzinfarkt nahe war. Die letzten paar Monate hatte ich immer auf Meeresniveau oder zumindest in sehr geringen Höhen verbracht. Nun bin ich in einer Nacht von 0 auf ca. 1800 Meter ueber Meer gefahren, irgendwie verständlich, dass mein Körper eine gewisse Reaktion zeigt.
Mit der Metro fuhr ich dann in den Botanischen Garten und wie die Stadt so an mir vorbeizog, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Alles war so anders als an der Küste. Vor allem vom Häusermeer war ich beeindruckt, so weit das Auge reicht nur rote Backsteinmauern. Um noch eine bessere Sicht der Stadt zu erlangen kann man mit dem Metrocable (Seilbahn) zu den abgelegneren Viertel fahren, die sich über die Hänge der Medellin umgebenden Berge ziehen. Und schon nach ein paar Metern wird einem bewusst, dass Armut auch in Medellin existiert. Den Backsteinhäusern weichen Wellblechdächer und   Holzhütten, alles ein bisschen schräg, alles ein bisschen improvisiert. Von meinem Kolumbianischen Couchsurfer erfahre ich, dass die Metrocable vor allem aus sozialen Gründen gebaut und in der Gründungszeit kontrovers diskutiert wurde. Die Idee war, die abgelegenen, von Armut betroffenen Viertel, den Anschluss ans Zentrum zu erleichtern und so die Integration zu fördern. Zu der Zeit zählten diese Viertel allerdings zu den gefährlichsten in Medellin, Bandenkriege und Drogenhandel gehörten zur Tagesordnung. Die Ängste, der im Zentrum wohnenden Menschen ist verständlich, man war besorgt was passieren würde, wenn nun all diese "bösen" Menschen so leichten Anschluss ins Zentrum haben werden. Aber heute zeigt sich, dass die Strategie aufgegangen ist. Die Stadt hat Geld in die ärmsten Viertel investiert, sich um die Menschen gekümmert, dies am nötigsten hatten und vor allem auf Verbesserung der Bildung gesetzt. Die Gewaltrate nahm stetig ab und die Banden- und Drogenproblematik bekam man in den Griff. Heute ziert die berühmte Bibliothek Parque España den Hügel des Barrio Santo Domingo, ein Zentrum das sich nicht nur mit dem Ausleihen von Büchern beschäftigt, sondern auch den Umgang mit Computer und Internet lehrt, verschiedene Ausstellungen zeigt, Kultur vermittelt und Alt und Jung verschiedenste Bildungsmöglichkeiten bietet. Für mich beeindruckend zu sehen und zu hören, wie aus einem gefürchteten Viertel ein blühender Wohnort wurde. An diesem Beispiel lässt sich zeigen, dass wenn man Probleme aus der Welt schaffen will, dafür in der Regel etwas investiert werden muss. Und in der Schweiz werden immer mehr Gelder für soziale Projekte und Bildung gestrichen und die gleichen Leute wundern sich dann, wieso Jugendliche kriminell sind, Menschen auf der Strasse leben, Drogenkonsum und -handel eine aktuelle Problematik ist...





Biblioteca Parque España



Medellin Zentrum


martes, 6 de marzo de 2012

Haareschneiden

Normalerweise wäre Montags Oasis-Tag aber heute ging ich ins Barrio Fundadores, dem anderen Quartier, in dem Mariposas Amarillas arbeitet. Seit drei Wochen ist Amy aus Kanada bei uns, sie ist Frisörin und unterrichtet einigen Frauen aus dem Quartier wie Haareschneiden. Das Projekt hat zum Ziel, dass sich die Frauen so, mit den neu erworbenen Fähigkeiten, später etwas dazuverdienen können. Meine Aufgabe war nun, mein Kopf hinzuhlaten, auf die angenehme Weise allerdings, ich war für heute Haarmodel.Kein einfaches Unterfangen für die Frauen, denn mein Haar ist bei Weitem nicht das einfachste zum Schneiden. Die Mischung aus zuviel Wind, Sonne und Salzwasser und zu wenig Bürsten machten meine Mähne ziemlich widerspenstig. Die Frauen erledigten ihre Herausforderung jedoch mit Bravour, und das nach nur drei Wochen Training.
Der Nachmittag war aber auch nebst der neuen Frisur ein voller Erfolg. Ich lernte die Menschen dieses Quartiers kennen und konnte sehen unter welchen Umständen sie leben. Auch hier ist die Armut deutlich sichtbar, wenn auch nicht so erdrücken wie im Barrio Oasis. Hier sind viele Strassen wenigstens geteert und es gibt eine Busverbindung ins Zentrum.
Amy ist eine meiner Lieblingspersonen hier, sie ist gekommen um wirklich Land und Leute kennenzulernen, etwas zu geben, und um viele Erfahrungen reicher zu werden. Neben ihren Frisörfähigkeiten brachte sie ebenfalls übriggebliebenes Geld aus einem früheren Projekt mit, um eine Person auch in der Hinsicht zu unterstützen. Verdient hätten es natürlich alle, Geld fehlt hier wie Wasser in der Sahara, aber Amys Mittel sind beschränkt und so wollte sie jemand spezielles unterstützen. Sie brauchte nicht lange nach einer geeigneten Person zu suchen. Sheryl, eine ihrer Studentinnen prilierte mit grossem Interesse, Pünktlichkeit und sie hilft ebenfalls bei Marposas Amarillas als Freiwillige mit. Die 18jährige ist nun am Studieren, ihre Familie hat aber leider kein Geld um das weitere Studium zu finanzieren, da selbst für Essen das Geld oft knapp ist. Mit Amys Unterstützung kann nun das Studium finanziert werden und alle waren zu Tränen gerührt, Sherly, ihre Eltern und schlussendlich auch Amy selbst, überwältigt von der emotionalen Reaktion, die ihr Geschenke ausloeste.
Mit von der Partie war heute auch Joel, ein Fotograf aus den USA, auch er unterwegs, um Land und Leute kennen zu lernen. Im Hostel hat er von Amys Projekt erfahren und fand es so interessant, dass er mitkommen wollte, um ein paar Bilder einzufangen. Für ihn nahm der Nachmittag allerdings eine tragische Wendung. Die Kinder vor Ort waren total fasziniert von der Kamaera, wollten sich fotografieren lassen, die Bilder sehen und selber knipsen und plötzlich, mit so vielen Fingern im Spiel, waren alle Fotos weg! Eine 30 Gb Speicherkarte, alles gelöscht. Jeder der selbst auf Reisen ist und fotografiert, kann sich vorstellen, was  fuer ein Schock das ist. Dieses Mal stand das Glück aber auf Joels Seite. Zurück im Hostel schloss er die Kamera am Laptop an und welch ein Wunder, die Fotos tauchten auf dem Bildschirm auf. Also doch nicht ganz gelöscht, nur nicht mehr auf der Kamera ersichtlich. Selbt ich fühlte mich um Tonnen leichter, nachdem ich von der freudigen Nachricht erfahren hatte.
Was für ein Tag!





Die wunderschönen Bilder die Joel geschaffen hat, können auf folgendem Link angeschaut werden: