"We are only truly secure when we can look out our kitchen window and see our food growing and our friends working nearby."
(Bill Mollison)
"(Reisen) wie einer, der ein Land
nicht als Solarium begreift,
sondern als Territorium,
dessen Einwohner ihm etwas beibringen,
über sich, über ihn, über den Stand der Dinge."
(Andreas Altman, Reisen durch einen einsamen Kontinent)

lunes, 30 de julio de 2012

Als die Schweine abhauten und das Gewächshaus fast davon flog.

Zwei Monate habe ich in der Comuna de Rhiannon verbracht und jeder Tag war so ausgefühlt, dass ich abends müde ins Bett gefallen und im Nu eingeschlafen bin. Viele haben mich gefragt, ja was macht ihr denn da den ganzen Tag? Und erlich gesagt war das immer eine der schwierigsten Fragen zu beantworten. Also ich habe vor allem im Garten gearbeitet, Unkraut jäten, Samen setzen, Setzlinge vom Gewächshaus ins Freie setzten, Beete vorbereiten. Andere haben mit Reperaturarbeiten oder neuen Konstruktionen den Tag verbracht. Und daneben verstrich die Zeit einfach wie im Fluge..

Ein typischer Tagesablauf sah so aus:
7.00 Frühstück
7.45 Morgensitzung zur Planung des Tages
8.00-11.00 Arbeiten
11.00-11.30 Pause
11.30-13.30 weiter Arbeiten
12.30 für das Mittagsteam anfangen zu kochen
13.30/14.00 Mittagessen

Danach steht der Nachmittag zur freien Verfügung. Mehr oder weniger regelmässig gab es um 15.30 eine Yogaklasse. Oder man hatte Zeit um ins Dorf zu gehen, Wäsche zu waschen oder einfach mal ausspannen, lesen, Guitarre spielen und auch ein Nickerchen halten war sehr beliebt.

17.00-18.00 Abendwässern
ab 18.00 Abendteam beginnt zu kochen
19.30/20.00 Abendessen

und für das Frühstücksteam beginnt der Tag um 6.00

Die Arbeit beginnt mit den Dingen die täglich verrichtet werden müssen wie Tiere füttern, Bewässern, Gemüseernten und Putzarbeiten. Danach widmet sich jeder seinem Gebiet, Garten oder Handwerkliches oder was sonst gerade so ansteht. Je nach Begabung und Interesse werden die Freiwilligen eingeteilt.
Durchschnittlich leben um die 15 Personen auf dem Hof. Das sind neben den Besitzerinnen Nicky und Helen mit ihrem 8 Monate alten Baby Satya, Freiwillige aus aller Welt, die für mindestens 2 Wochen ihre Hilfe auf dem Hof anbieten. Zur ständigen Crew gehöhren auch mitlerweilen 8 Hunde, 1 Katze, 2 Schweine, 6 Hühner und 1 Esel.

Neben dem alltäglichen passieren dann eben auch immer mal wieder ungeplante Dinge wie zum Beispiel wenn die Schweine aus ihrem Gehege ausbüchsen. Und anstatt einfach zu verschwinden spazieren sie vor dem Hof herum, damit wir es ja auch merken. Mir kam das mehr so vor als wenn das ihr Lieblingsspiel wäre, wieder einmal ein bisschen ausbrechen, so zur Abwechslung. Mit einem Eimer voller Futter kriegt man sie dann wieder zurück. Das Gehege wird mit einigen weiteren Brettern und Nägeln repariert, bis zum nächsten Mal.

Und anstatt zur offenen Tür wieder in das Gehege zurückzukehren, zwängt sich das  Schwein durch das neu geschaffene Loch, und bleibt fast drin stecken.

Oder ganz spannend war auch, als wir ein Huhn von einem Hundeangriff retten mussten. Eine neue Freiwillige, Chou aus Taiwan, öffnet das Dach des Hühnerstalls und da ergreifft ein Huhn die Chance und fliegt heraus, für die Hunde natürlich ein gefundenes Fressen. Die Hunde die sowieso die Hühner immer mit ganz gierigen Augen anschauen und auf genau einen solchen Moment warten! Also wir alle drinnen gemütlich am lesen, als wir draussen jemanden schreien hören. So rennen wir raus und sehen das Desaster, 4 Hunde gegen 1 Huhn, schon ein bisschen gemein. Wir konnten das Huhn erfolgreich befreien, die Hunde sind mit hängenden Köpfen und traurigen Äugchen, über die verlohrene Beute, abgezogen. Das Huhn wurde professionell verarztet und hat das ganze schlussendlich überlebt, und hoffentlich seine Lektion gelernt!
Solche Dinge passieren natürlich auch immer Nachmittags, wenn alle am auspannen sind. Wie an dem Tag wo der Wind so stark war, dass die Gewächshaustür beim öffnen, sammt Rahmen ins Gewächshaus reinflog und auf den Tomaten landete. Nicky und Helen haben mir dabei von der Küche aus zugesehen und konnten ihren Augen nicht trauen.
Der Sommer ist in Malchingui immer bekannt für sehr starke Winde und jedes Jahr fliegen irgendwelche Dächer weg. Aber diese unglaubliche Energie selber zu spühren ist echt krass. Das beeindruckende ist auch, dass es nicht nur für ein, zwei Stunden windet, sondern zum Teil bis zu zwei Tagen ununterbrochen tobt. So dass wir bei der Gartenarbiet wie halbe Mumien ausschauten, da man sich Mund, Nase und Augen bedecken muss um sich vom aufwirbelndem Sand und Staub zu schützen.
Die Gewächshaustür haben wir dann notdürftig wieder angebracht und die grössten Schäden am Dach versucht zu beheben. Bei diesen Winden fällt das Reparieren natürlich auch nicht leicht. Dann war das ganze geschafft und wir wieder am aufatmen, als zwei zurückkehrende Freiwillige berichten, dass das Eselgehege auf einer Seite eingefallen ist. In diesen Momenten kann man es einfach kaum glauben! Also wieder raus, wieder Tücher vors Gesicht binden, den Schaden begutachten und mit verreinigten Kräften das Eselsgehege reparieren. Und mit Schnur, denn Helens Grossvater sagt, es gibt nichts, das nicht mit Schnur geflickt werden kann. Und es funktioniert!
So passiert immer etwas und es wird nie langweilig und am Ende des Tages weiss man gar nicht wie die Zeit wieder so schnell vorbeiziehen konnte.

Und das Highlight fand jeden Morgen statt. Wenn ich noch vor dem Frühstück aufs Klo musste und ganz verschlaffen aus dem Haus trat. Wenn mir die Hunde entgegensprangen um mich zu begrüssen und quitschten vor Freude und wenn ich mich dann auf die Bank setzte um kurz inne zu halten und auf die Berge zu schuen und den schneebedeckten Vulkan, der gerade von den ersten Sonnenstrahlen beschienen wurde, dann war das so ein magischer Augenblick, dass ich mein Glück  kaum fassen konnte.

http://www.rhiannon-community.org/

sábado, 17 de marzo de 2012

Adios Santa Marta - Hallo Grippe, Regen und Höhenkrankheit

Sechs Wochen war ich nun in Santa Marta und das Hostel zu verlassen viel mir auf keinen Fall einfach. Um den Abschied etwas sanfter zu gestalten, fuhr ich noch einige Tage nach Taganga, wo ich bei einem Freund gratis übernachten konnte. So konnte ich etwas Abstand gewinnen, hatte Santa Marta aber immer noch in Reichweite. Um eine bleibende Erinnerung von der Küste mitzunehmen, beschloss ich mit einer Freundin ein Pircing machen zu lassen. Ich war mir bis zum Schluss nicht ganz sicher, ob ich wirklich sollte, doch als ich den Preis erfragte, und von der netten Dame 15000 Pesos zur Antwort bekam, brauchte ich nicht weiter nachzudenken. In der Schweiz bezahlt man für das gleich um die 100 Franken, hier waren es glatte 7.50.- , so ziehrt nun ein Silbersteinchen meine Unterlippe;-)
In den letzten Taganga-Tagen hatte ich noch ein witztiges Erlebnis. Es gibt ein Büchertauschladen, geführt von einer Schweizerin, wo ich etwas rumstöberte. Schon beim Eintreten hatte ich den Sohn irgendwas auf Berndeutsch schreien höhren, was mich ziemlich amüsierte. Als ich durch war mit gucken, richtete ich mich mit ein paar Fragen an ihn. An der Wand hing ein Zettel, wo Freiwillige für einen Kindermalnachmittag gesucht wurden. Der Sohn wusste selbst nicht recht und schrieh dann zur Mutter "z Frölein het do e Frog..". Noch auf dem Nachhauseweg konnte ich mir das Grinsen kaum verkneifen, als Frölein wurde ich also SEHR lange nicht mehr bezeichnet! Am nächsten Tag half ich dann tatsächlich beim Malen und kam mit einer anderen, ca. 60jährigen Schweizerin ins Gespräch. Als sie mich fragte "schaffet si scho lang mite Ching" musste ich zwei Mal nachfragen, weil ich dachte die Frage nicht verstanden zu haben und schlussendlich dann fragte, wenn sie den mit "si" meinte? Als sie mich verwirrt anschaute ging mir auf, dass sie mich selbst meinte. Nur hatte ich die Höflichkeitsform schon so lange nicht mehr gehört, dass ich es nicht mal mehr verstand. Da wurde mir bewusste, dass ich echt schon eine Weile unterwegs bin.

Mit schwerem Herzen stieg ich dann schlussendlich Freitagabends in den Nachtbus nach Medellin ein. Es war ja nicht nur das vom Hostel weggegen sondern auch die Tatsache, dass ich nun, nach über drei Monaten immer am Meer sein, die Küste verlassen musste. Ich wollte ja weiterreisen und neue Orte entdecken aber der Gedanke nun das Meer und auch das super Wetter für eine ganze Weile nicht mehr sehen zu können, gefiel mir gar nicht. Und wie wenn Petrus mir noch Eins auswischen wollte begann es auch schon wenige Stunden nach der Abfahrt zu Regnen! Immer hin ein Lichtblick, im Bus wurde ein Film gezeigt, denn ich von einer Busfahrt in Nicaragua kannte, das Ende aber nie gesehen hatte, da der Busfahrer irgendwann, ohne Vorwahrnung einfach den Film gegen eine Karaoke-CD austauschte. So freute ich mich darauf nun endlich erfahren zu können, wie es ausgeht. Aber irgendwie war ich ziemlich erschöpft. Noch im Hostel hatte ich die Grippe aufkommen gespürt, und mir deshalb ein Alka-C für die Nacht gegönnt. Meine Augen wurden immer schwerer und ehe ich mich versah, lief der Abspann über den Bildschirm, so ein Mist, schon wieder denn Schluss verpasst. Die Wirkung des Alka-Cs liess dann leider auch immer mehr nach, meine Füsse begannen Eiswürfeln zu gleichen, da sich Kolumbianische Busse wohl mit Tiefkühlern verwechseln und die Klimaanlagen immer unmenschlich kalt eingestellt werden.Und so, während sich der Bus immer weiter bergauf schlängelte, ging es mit mir immer weiter bergab!
Nach einer durchfrohrenen und nicht sehr erholsamen Nacht kam dann morgens unterwartet das Erstaunen. Wir passierten Landschaften wie aus einem Märchenland. Überall Hügel und Berspitzen um uns herum und der Morgennebel zog durch die Täler, wie wenn jemand eine Rauchmaschiene angeschaltet hätte. Es war so traumhaft schön, dass ich es kaum glauben konnte.
In Medellin dann erneut die Ernüchterung. Die Reise und die Nacht im Bus hatte mich so  viel Kraft gekostet, dass ich nun entgültig die Grippe hatte, da half auch kein Alka-C mehr. Zwei Tage lag ich flach. Muss wohl ein komisches Bild abgegeben haben, bei den Couchsurfern, bei denen ich übernachten konnte. Komme rein, hatte noch die Energie für ein 10 Minuten Anstandsgespräch, bevor ich dann ins Bett sank und für die nächsten zwei Tagen praktisch nicht mehr aufstand.

Am Montag hatte ich mich dann so weit erholt, dass ich immerhin die Stadt besichtigen konnte. Und wie ich so durch die Strassen gehen wird mir plötzlich bewusst, wieso ich seit Tage so unglaubliche Kopfschmerzen habe: die Höhe! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, als ich eine Treppe hochstieg und schon nach den ersten paar Stufen um Atem rang und oben angekommen einem Herzinfarkt nahe war. Die letzten paar Monate hatte ich immer auf Meeresniveau oder zumindest in sehr geringen Höhen verbracht. Nun bin ich in einer Nacht von 0 auf ca. 1800 Meter ueber Meer gefahren, irgendwie verständlich, dass mein Körper eine gewisse Reaktion zeigt.
Mit der Metro fuhr ich dann in den Botanischen Garten und wie die Stadt so an mir vorbeizog, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Alles war so anders als an der Küste. Vor allem vom Häusermeer war ich beeindruckt, so weit das Auge reicht nur rote Backsteinmauern. Um noch eine bessere Sicht der Stadt zu erlangen kann man mit dem Metrocable (Seilbahn) zu den abgelegneren Viertel fahren, die sich über die Hänge der Medellin umgebenden Berge ziehen. Und schon nach ein paar Metern wird einem bewusst, dass Armut auch in Medellin existiert. Den Backsteinhäusern weichen Wellblechdächer und   Holzhütten, alles ein bisschen schräg, alles ein bisschen improvisiert. Von meinem Kolumbianischen Couchsurfer erfahre ich, dass die Metrocable vor allem aus sozialen Gründen gebaut und in der Gründungszeit kontrovers diskutiert wurde. Die Idee war, die abgelegenen, von Armut betroffenen Viertel, den Anschluss ans Zentrum zu erleichtern und so die Integration zu fördern. Zu der Zeit zählten diese Viertel allerdings zu den gefährlichsten in Medellin, Bandenkriege und Drogenhandel gehörten zur Tagesordnung. Die Ängste, der im Zentrum wohnenden Menschen ist verständlich, man war besorgt was passieren würde, wenn nun all diese "bösen" Menschen so leichten Anschluss ins Zentrum haben werden. Aber heute zeigt sich, dass die Strategie aufgegangen ist. Die Stadt hat Geld in die ärmsten Viertel investiert, sich um die Menschen gekümmert, dies am nötigsten hatten und vor allem auf Verbesserung der Bildung gesetzt. Die Gewaltrate nahm stetig ab und die Banden- und Drogenproblematik bekam man in den Griff. Heute ziert die berühmte Bibliothek Parque España den Hügel des Barrio Santo Domingo, ein Zentrum das sich nicht nur mit dem Ausleihen von Büchern beschäftigt, sondern auch den Umgang mit Computer und Internet lehrt, verschiedene Ausstellungen zeigt, Kultur vermittelt und Alt und Jung verschiedenste Bildungsmöglichkeiten bietet. Für mich beeindruckend zu sehen und zu hören, wie aus einem gefürchteten Viertel ein blühender Wohnort wurde. An diesem Beispiel lässt sich zeigen, dass wenn man Probleme aus der Welt schaffen will, dafür in der Regel etwas investiert werden muss. Und in der Schweiz werden immer mehr Gelder für soziale Projekte und Bildung gestrichen und die gleichen Leute wundern sich dann, wieso Jugendliche kriminell sind, Menschen auf der Strasse leben, Drogenkonsum und -handel eine aktuelle Problematik ist...





Biblioteca Parque España



Medellin Zentrum


martes, 6 de marzo de 2012

Haareschneiden

Normalerweise wäre Montags Oasis-Tag aber heute ging ich ins Barrio Fundadores, dem anderen Quartier, in dem Mariposas Amarillas arbeitet. Seit drei Wochen ist Amy aus Kanada bei uns, sie ist Frisörin und unterrichtet einigen Frauen aus dem Quartier wie Haareschneiden. Das Projekt hat zum Ziel, dass sich die Frauen so, mit den neu erworbenen Fähigkeiten, später etwas dazuverdienen können. Meine Aufgabe war nun, mein Kopf hinzuhlaten, auf die angenehme Weise allerdings, ich war für heute Haarmodel.Kein einfaches Unterfangen für die Frauen, denn mein Haar ist bei Weitem nicht das einfachste zum Schneiden. Die Mischung aus zuviel Wind, Sonne und Salzwasser und zu wenig Bürsten machten meine Mähne ziemlich widerspenstig. Die Frauen erledigten ihre Herausforderung jedoch mit Bravour, und das nach nur drei Wochen Training.
Der Nachmittag war aber auch nebst der neuen Frisur ein voller Erfolg. Ich lernte die Menschen dieses Quartiers kennen und konnte sehen unter welchen Umständen sie leben. Auch hier ist die Armut deutlich sichtbar, wenn auch nicht so erdrücken wie im Barrio Oasis. Hier sind viele Strassen wenigstens geteert und es gibt eine Busverbindung ins Zentrum.
Amy ist eine meiner Lieblingspersonen hier, sie ist gekommen um wirklich Land und Leute kennenzulernen, etwas zu geben, und um viele Erfahrungen reicher zu werden. Neben ihren Frisörfähigkeiten brachte sie ebenfalls übriggebliebenes Geld aus einem früheren Projekt mit, um eine Person auch in der Hinsicht zu unterstützen. Verdient hätten es natürlich alle, Geld fehlt hier wie Wasser in der Sahara, aber Amys Mittel sind beschränkt und so wollte sie jemand spezielles unterstützen. Sie brauchte nicht lange nach einer geeigneten Person zu suchen. Sheryl, eine ihrer Studentinnen prilierte mit grossem Interesse, Pünktlichkeit und sie hilft ebenfalls bei Marposas Amarillas als Freiwillige mit. Die 18jährige ist nun am Studieren, ihre Familie hat aber leider kein Geld um das weitere Studium zu finanzieren, da selbst für Essen das Geld oft knapp ist. Mit Amys Unterstützung kann nun das Studium finanziert werden und alle waren zu Tränen gerührt, Sherly, ihre Eltern und schlussendlich auch Amy selbst, überwältigt von der emotionalen Reaktion, die ihr Geschenke ausloeste.
Mit von der Partie war heute auch Joel, ein Fotograf aus den USA, auch er unterwegs, um Land und Leute kennen zu lernen. Im Hostel hat er von Amys Projekt erfahren und fand es so interessant, dass er mitkommen wollte, um ein paar Bilder einzufangen. Für ihn nahm der Nachmittag allerdings eine tragische Wendung. Die Kinder vor Ort waren total fasziniert von der Kamaera, wollten sich fotografieren lassen, die Bilder sehen und selber knipsen und plötzlich, mit so vielen Fingern im Spiel, waren alle Fotos weg! Eine 30 Gb Speicherkarte, alles gelöscht. Jeder der selbst auf Reisen ist und fotografiert, kann sich vorstellen, was  fuer ein Schock das ist. Dieses Mal stand das Glück aber auf Joels Seite. Zurück im Hostel schloss er die Kamera am Laptop an und welch ein Wunder, die Fotos tauchten auf dem Bildschirm auf. Also doch nicht ganz gelöscht, nur nicht mehr auf der Kamera ersichtlich. Selbt ich fühlte mich um Tonnen leichter, nachdem ich von der freudigen Nachricht erfahren hatte.
Was für ein Tag!





Die wunderschönen Bilder die Joel geschaffen hat, können auf folgendem Link angeschaut werden:



jueves, 23 de febrero de 2012

Alltag und Alltagsflucht

Je mehr Zeit ich hier verbringe desto besser lernen ich diese Stadt und ihre Bewohner kennen und bekomme mit jedem Tag mehr das Gefuehl, auch "hinter die Kulissen" blicken zu koennen. Santa Marta ist eine haesslich, schoene Stadt. Andreas Altman beschreibt Kolumbien in seinem Buch "Reise durch einen einsamen Kontinent" als ein Land der Extreme und was fuer ganz Kolumbien stimmt, trifft ebenfalls fuer Santa Marta zu. Hier gibt es Alles von boese und gewaltsam bis unglaublich herzlich und gastfreundlich. Zwei Welten, die aufeinanderprallen und somit Reibungsflaeche erzeugen. Mir wird auf dem Nachhauseweg die Handtasche weggerissen, von zwei offensichtlich zugedroehnten Drogenabhaengigen. Tja Pech gehabt, zur falschen Zeit am falschen Ort und was fuer mich zutrifft gilt fuer die Beiden noch viel mehr. Tja Pech gehabt, keine Chance auf Zukunft zu haben. Wenn ich auswaehlen koennte, wuerde ich immer lieber die Ausgeraubte sein, als ein Leben in solchem Elend auf der Strasse fuehren zu muessen. Dann fuenf Minuten nach dem Raub, die ersten Kolumbianern, denen ich die Story erzaehle, entschuldigen sich sofort fuer ihre Landsleute und schaemen sich, dass Touristen in ihrem Land so etwas passiert. In der Regel sind die Menschen hier aber extrem hilfsbereit und was so total abgelutscht klingt, stimmt wirklich. Mich erschtaunt es selbst immer wieder, wie nett Kolumbianer zu wilfremden Touristen sind, weil sie ihr Land von der besten Seite repraesentieren wollen, weil sie Stolz  auf ihr Land sein wollen, das so viel zu bieten hat aber leider nach wie vor mit so vielen Problemen kaempft. Busfahrt vom Zentrum zum barrio Oasis, die vielsagender nicht sein koennte. Vorbei an Fressbuden und Konsumtempeln, Reichenquartiere mit fett umzaeunten Haeusern und je weiter man sich vom Zentrum entfernt, desto schaebiger werden die Unterkuenfte und auch die Kleidung der Menschen. Geteerte Strassen schwinden zu Staubpisten und anstatt Beton und Zement dienen Wellblech oder Holz aus Baumaterial fuer Behausungen.
Aber auch ein Gang durch die Strassen im Zentrum reicht aus um das Extreme zu erleben. Ein Eselskarren, der vor einem Riesentruck an der Ampel wartet, streunende Hunde die sich zwischen den wartenden Autos durchschlaengeln. Die 5. Avenida mit Laeden von sehr schick mit Preisen die ich mir kaum leisten kann, bis zu Laeden mit dem groessten Ramsch zu kleinsten Preisen. Fast alles was man drinnen kriegen kann, gibt es ebenfalls auf der Strasse zu kaufen . Auf den Gehstegen allerlei Kleinverkaeufer die ihre Produkte auf Marktstaenden anbieten. Oder ein umgekehrter Papkarton reicht oft auch schon als Warenauslage. Da gibt es alles zu kaufen von Batterien ueber Stifte und Hefte, alles fuer die Schoenheitspflege, Taschen, Rucksaeche, Schuhe usw. usf. Sehr beliebt sind ebenfalls Fernbedienungen oder Handyaufladegeraete und morgens kann man vom Hostel aus regelmaessig einen Verkaeufer "controles, controle, controles" (Fernbedienung)  aus vollem Leibe schreien hoehren. Die Gehsteige sind vielerorts so zugestellt mit Waren, dass ein durchkommen oft schwierig ist und man sich quasi anstellen muss um vorbeigehen zu koennen. So hat man wenigstens Zeit die wunderbaren Waren und Kuriositaeten der Haendler zu bestaunen. Die Option Strassenseite wechseln kommt hier praktisch nicht in Frage, denn 1. sieht es auf der anderen Seite ziemlich gleich aus und 2. gibt es bei dem Verkehr, der durch die 5. Avenida vorbeibraust meistens auch kein durchkommen.
Die von Verkehr verstopften Strassen und der omnipraesente Laerm, Gehupe, Gebruell, Musik aus allen Ecken, Hundegebelle oder Kindergeschrei. Dies alles macht die Stadt fast unertraeglich. Doch schon ein paar Schritte weiter sehe ich wie die ganze Stadt mit einem Mal viel weicher wird, wenn die Hausmauern von der Abendsonne orange gefaerbt werden. Und ich dann schliesslich an der Strandpromenade ankomme, wo mir der Wind durchs Haar streift und ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der Haut spuehre, und die Sonne im Meer verschwienden sehe. So denk ich dann wieder, oh du wunderschoenes Santa Marta. Zur Entspannung hilft auch immer in einer der Haengematten, auf der Dachterrasse des Hostels, die Beine hochzulegen, den Stadtlaerm nur noch von weitem zu hoehren und dazu einzudoesen.





Nach drei Wochen Santa Marta am Stueck wurde mir das Ganze dann doch zu viel, die Arbeit mit den kleinen Kindern bei Mariposas und die Arbeit mit den "grossen Kindern" im Hostel. Ich brauchte eine Pause! So fuhr ich nach Costeno Beach einem Hostel, ca. eine Stunde von hier, direkt am Strand gelegen. Und wie ich da ankomme wird mir sofort klar: Ich haette schon viel frueher hierher kommen sollen. Es ist wunderschoen hier und genau das, was eine menschliche Seele nach intensivem Stadtleben braucht. Die unglaubliche Ruhe hier, die nur von Meeresrauschen, Vogelgezwitscher und gelegentlichen Gitarrenklaengen unterbrochen wird. Der Blick auf Meer und Wellen, die angenehme Brise, die den Sonnenstrahlen die perfekte Temperatur auf der Haut gibt. Wiedereinmal im Sand hocken, in einer Haengematte schlafen und barfuss gehen. Sand, Gras und Steine unter den Fuessen, kein Stadtdreck, der einem fast die Flipflops am Boden festklebt. Den Blick auf die Sierra Nevada, die vom Dunst weichgezeichneten Berge, die wie grosse Beschuetzer weit im Hintergrund stehen und die unglaubliche weite des Horizontes ueber dem Meer. Ich hatte ganz vergessen.. Ganz vergessen, unter den Aufregungen des Stadtlebens, wie herrlich Natur und Einfachheit sein kann und wie unglaublich wichtig sie zur Erholung sind.

martes, 14 de febrero de 2012

leben...

Nun bin ich bereits zwei Wochen hier in Santa Marta, habe mich eingelebt und wieder etwas Alltagsrutine gefunden. Montag-, Dienstag- und Mittwochnachmittag bin ich immer bei den Kindern, was sehr anstrengend sein kann aber eben gleichzeitig auch herrlich ist. Eine bunt gemischte Rasselbande mit Kindern im Alter von ca. 4 bis 13 Jahren. Wir arbeiten mit drei Klassen die "Kleinen", die "Mittleren" und die "Grossen", wobei bei einigen Kindern der Wissensstand gerade im Bezug auf Lesen und Schreiben nicht dem altersgemässen Nieveau entspricht und so die Klassen eher nach Können und nicht nach Alter aufgeteilt sind. Leider merkt man vielen Kindern ihre Herkunft an, sie haben Mühe sich länger zu konzentrieren und die Umgangsformen untereinander und mit den Materialien sind oft nicht gerade zimperlich. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier. Die Schwierigkeit besteht darin denen etwas zu bieten, die aktiv dabei sind und gleichzeitig die im Auge zu behalten, die weniger diszipliniert sind. Leider sind die "Störenfriede" gerade die, welche es besonders nötig hätten etwas zu lernen, denn meisten kaspern sie nur rum, um von ihren Schwächen abzulenken. Glücklicherweise sind wir inzwischen regelmässig um die sechs Freiwiligen, was das Arbeiten wesentlich erleichtert. Es gab auch Tage, an denen wir nur zu Zweit oder Dritt hingefahren sind, was dann ein wesentlich grösseres Chaos bedeutete.
Die Arbeit in diesem Barrio (Quartier) hat mich ziemlich zum nachdenken gebracht, denn die Umstände in denen die Menschen hier leben sind sehr ernüchternd, ironischerweise heisst das Barrio "Oasis" gleicht aber so gar nicht dem, was man sich unter einer Oase vorstellt. Vor allem bei den Kindern sind viele Defizite bemerkbar und wenn man an ihre Zukunft denkt, wird es für viele von ihnen wohl nicht sehr rosig werden. Dann schweifen meine Gedanken weiter, Oasis ist bloss ein Barrio von Santa Marta, es gibt viele Weitere mit ähnlich schlechten Bedingungen, und dann Kolumbien weit, und weltweit gesehen. So kam dann unweigerlich die Frage, was mache ich hier überhaupt, dass hat ja doch alles keinen Sinn, schliesslich ist doch die ganze Gesellschaft, das ganze System krank! Meine Zweifel sind immer noch nicht ganz ausgeräumt aber ich kam irgendwann zum Schluss, dass man es immerhin versuchen muss. Steter Tropfen höhlt den Stein, und wenn meine Bemühungen dazu führen, dass ein einziges Kind eine bessere Chance hat im Leben zuschlage zu kommen, dann ist es das allemal Wert.



viernes, 27 de enero de 2012

Santa Marta - den Rucksack mal wieder auspacken

Santa Marta ist eine kleine Stadt (zumindest für hiesige Verhältnisse) an der Karibikküste, die alles hat was das Herz begehrt. Einkaufsmöglichkeiten en mass, süsse Bars und Restaurants, eine gemütliche Strandpromenade wo zu Sonnenuntergang geschäftiges Treiben herrscht, die Menschen die mit Plastikstühlen vor ihren Häusern auf der Strasse sitzen, Bier trinken und die neusten Geschehnisse des Tages besprechen. Überhaupt findet ziemlich viel Leben auf der Strasse statt, wie in den meisten Ländern Lateinamerikas. Das Bild ändert sich nur je nach Tageszeit, mittags sind die Fruchtverkäufer unterwegs, nachmittags haben die Eisverkäufer Hochbetrieb und abends bauen muchachas ihre provosorischen Küchen auf, um arepas, empanadas und sonst allerlei Frittiertes an den Mann zu bringen.
Die Durchschnittstemperatur hier liegt um die 30 Grad und jeden Tag strahlt die Sonne haltlos vom Himmel. Nur Abends bringt der Wind Abkühlung, der einem zeitweise auch zimlich heftig um die Ohren wehen kann. Las brisa loca, die verrrückte Brise wird dieser Wind daher auch gernen genannt.
Seit dem 25.1. bin ich nun mal wieder sesshaft und wohne in dieser tollen, vor Leben sprühenden Stadt. Für mindesten einen Monat werde ich hier in Santa Marta bleiben und in einem Hostel gegen Kost und Logie mithelfen. Meine Arbeit spielt sich an der Bar ab, die von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts geöffnet hat. Pro Woche arbeite ich 30 Stunden, mal morgens mal nachmittags mal abends/nachts. Dem entsprechend sind die  Aufgaben auch unterschiedlich von Frühstück und Mittagessen servieren über Bier und Softdrinks verkaufen oder zu später Stunde auch Cocktails mixen und die Leute unterhalten.
 Neben der Hostelarbeit bin ich zudem drei Mal wöchentlich bei "Mariposa Amarilla", einem Projekt, dass in zwei Aussenquartieren von Santa Marta "escuelas" betreibt. Montags bis Freitags immer von 14 bis 16 Uhr finden clases statt, Lesen und Schreiben, Mathe, Zeichnen oder einfach nur spielen. Hier sind die Schattenseiten des Stadtlebens zu sehen, Menschen die in Barrakken wohnen, ungeteerte Strassen, keine Busverbindung zum Zentrum und viele Kinder die gar nicht zur Schule gehen.
Auch bei uns im "centro historico" wo ich wohne, sieht man einige Randgeschöpfe der Stadt, Obdachlose, die im Müll nach Essen suchen, Kinder die Betteln und Frauen die ihre Dienste anpreisen. Einerseits ist das natürlich nicht schön anzusehen, andererseits behält man so immerhin stetig im Kopf, dass die Gesellschaft ungerecht ist und es Menschen gibt, die weniger Glück hatten als wir. Meiner Meinung nach ein ehrlicheres Stadtbild als z.B. in der Schweiz wo die Randständigen aus den Zentren vertrieben werden und einem so eine "heile Welt" vorgegaukelt wird, die aber nicht der Realität entspricht!

domingo, 1 de enero de 2012

Taganga - Weihnachten und Silvester am Strand

Wir waren nicht ganz sicher, was uns erwarten wird, da wir einiges vom beruehmt beruechtigten Taganga gehoert hatten. Ehemals kleines Fischerdorf, jetzt eine beliebte Feriendestination sowohl fuer Einheimische, wie auch fuer auslaendische Touristen. In Cartagena hatten wir, auf Grund der Hochsaison, schon ein Zimmer reserviert im Moramar, ein kolumbianisch gefuertes Hostel, laut Internet 2 Blocks weg vom Strand. Mit den Blocks wurde iher allerdings grosszuegig gerechnet, von der Unterkunft brauchte man ca. 5 Minuten um an den Strand zu gelangen, was aber immer noch total in Ordnung war. Julian, Anna, Ramon und ich kriegten das "apartamento" (die Wohnung), zwei grosse Zimmer, zwei Badezimmer (Richtig Luxus fuer 4 Personen, in Cartagena gab es im ganzen Hostel nur zwei Badezimmer!) ein Kuehlschrank und eine kleine Gaskochstelle, einfach perfekt. Simon und Sonja bevorzugten ein Privatzimmer, obwohl wir auch zu sechst in die Wohnung gepasst haetten. Die Sache war nur, dass an den Waenden ziemlich gespart wurde, sie reichten nicht bis an die hohe Decke und so war die Wohnung zimlich ringhoerig, das heisst man konnte sich ohne Probleme von Zimmer, zu Klo, zu Klo, zu Zimmer miteinander unterhalten.
Allen schlechten Nachreden zum Trotz fuehlten wir uns auf Anhieb wohl in Taganga. Ein schoener Strand, eine nette Strandpromenade, viele kleine Restaurants und Bars und traumhafte Sonnenuntergaenge. Von nun an bestand unsere Hauptaktivitaet aus Kochen und Planen was wir kochen koennten. Ein herrliches Leben, immer lange ausschlafen, danach ausgibig fruehstuecken, wir uebertrafen uns taeglich selber mit immer wieder neuen Kreationen. Und zu Weihnachten goennten wir uns sogar Nutella (Hier ein Luxusprodukt das ca. 6 SFr. pro Glas kostet.). Nachmittags war dann Strandzeit angesagt oder ausspannen im Hostel. Nach einigen Tagen hatte es sich eingependelt, dass, egal was wir am Tag machten, wir uns zum Sonnenuntergang am Strand treffen. Das machten die meisten anderen Touristen und viele Einheimischen ebenfalls und so trafen wir immer wieder bekannte Gesichter. In den zwei Wochen die wir hier verbrachten, trafen wir hier ungefaeher die Haelfte der Leute der Segeltour wieder. Nach Sonnenuntergang gings ans Abendessen kochen, auch hierbei vielen uns die wildesten Kreationen ein, ein Mix aus Deutsch, Östreichisch, Schweizer Ideen zubereitet mit Kolumbianischen Zutaten. Meistens Reis oder Pasta mit Gemuese. Und immer mal wieder gab es frischen Fisch, den wir bei den Fischern am Strand erwerben konnten.
Auch zu Weihnachten hielten wir unser Routineprogramm ein, wobei wir den Strandnachmittag besonders genossen, vor allem wegen der Tatsache hier im Bikini unter der Sonne zu sitzten und sich im Meer abzukuehlen, beim gleichzeitigen Gedanken an unsere Leute zuhause.  Nach dem Essen machten wir  uns auf ins Zentrum, schlenderten ueber die Promenade und genossen das Nachtlebe. Die Menschenmenge hatte, seit wir vor einer Woche angekommen sind, merklich zugenommen, ausgelassene Stimmung in den Strassen und diversen Bars, und von allen Seiten wurden wir mit Musik beschallt. Ein buntes Treiben, einfach herrlich. Wir machten es wie die Einheimischen, kauften uns Bier, setzten uns an die Strasse und schauten den vorbeiziehenden Menschen zu. Dann und wann stellten wir uns in eine Bar um einem Live Konzert zuzuhoeren oder tanzten zu, von anderen Reisenden gespielten Trommelrythmen.

Zu Silvester beschlossen wir einmal etwas Einfaches zu kochen und so gab es ein riesen Topf Nudelsalat. Vorausschauend hatten wir eine Extraportion gemacht, um den Hunger stillen zu können, wenn wir nach dem Feiern nach Hause kommen wuerden. Die Stimmung war schon im Hostel ausgelassen und nach dem Essen und etwas feiern mit den Hostelmenschen sind wir dann wiederrum ins Zentrum losgezogen. Die Bars und Strassen waren noch befuehlter als zu Weihnachten und man brauchte nicht einmal reinzugehen, gefeiert wurde auch ueberall auf den Strassen.

Nach zwei Wochen hatten wir dann genug von Taganga, vor allem, weil der Strand einfach zu überlaufen war mitlerweile. So zogen wir weiter nach Palomino, zwei Stunden die Küste hoch, dieses Mal nur noch zu viert, Sonja und Simon verliessen uns um Minca auszukundschaften.