"We are only truly secure when we can look out our kitchen window and see our food growing and our friends working nearby."
(Bill Mollison)
"(Reisen) wie einer, der ein Land
nicht als Solarium begreift,
sondern als Territorium,
dessen Einwohner ihm etwas beibringen,
über sich, über ihn, über den Stand der Dinge."
(Andreas Altman, Reisen durch einen einsamen Kontinent)

lunes, 20 de enero de 2014

Comuna de Rhiannon feiert den 5. Geburtstag, 13 -16. Dezember 2013

Als ich im Dezember aud der Farm ankam, kümmerte ich mich zusammen mit Nicky und Cinthya um die Vorbereitung und die Organisation der 5 Jahres Geburtstagsfeier. Es gab einiges zu Planen, Menulisten und Arbeitspläne zu schreiben, Kochteams zusammenzubringen und ein riesen Berg von Besorgungen zu machen. Wir führten Diskussionen über Diskussionen wie was gemacht werden sollte und schrieben Schilder über Schilder bezüglich Workshops, Essenszeiten, Ladenöffnungszeiten, korekte Benutzung der Trockenklos usw.. Immer mal wieder schien das Ganze zu übertrieben, zu Aufgebalsen doch am Ende der drei Tage sprach das Gelingen des Festes für uns, der Aufwand hatte sich 200% gelohnt.
Wir waren um die 30/40 Leute und das Wochenende gestaltete sich aus einer Mischung von Workshops, Showeinlagen, Konzerten und Freizeit, eine Mischung aus Lehrnen und Feiern. Lernend Feiern sozusagen oder feiernd Lehrnen.
Am Freitagabend startete das Fest mit einer AkroYoga Darbietung von Ester und Silver, zwei Freiwilligen aus Estland. AkroYoga ist eine Mischung zwischen Yoga und Akkrobatik. Yogaübungen werden quasi akkrobatisch ausgeübt. Ich kam selbst einmal in den Genuss einer AkroYoga Stunde und konnte feststellen, wie herausfordernd dieser Sport ist. Beim Zuschauen der Darbietung stieg meine Bewunderung daher ins Unendliche. Ester und Silver vollzogen die Übungen mit einer derartigen Eleganz und Leichtigkeit, Zeugnis der hunderten von Stunden, die sie zusammen tranierten.
Danach folgte ein Konzert von Cayatana la callejera, eine Freundin von Nicky und Helen aus Quito, Ecuadorianischer Hiphop. Mit ihrem Sprechgesang macht die Frau auf soziale Probleme aufmerksam und setzt sich für die Rechte homosexueller Menschen ein. Im hoch katholischen Ecuador wird Homosexuallität immer noch als Krankheit und vom Teufel geschickt angesehen. Wodurch viele Jungen und Mädchen in sogenannte Heilanstalten gesteckt werden, wo sie von der „Krankheit“ geheilt werden sollen.
Am Samstag startete der Tag mit Frühyoga um 7.30, dem allerdings nur wenige beiwohnten. Nach einem ausgiebigen Frühstück folgte dann die erste Runde Workshops. Capoeira, Bänderknüpfen, Shiatsu, Graffiti, Häckeln um nur einige zu nennen.
Ich entschied mich für Capoeira, das wollte ich schon lange einmal ausprobieren. Kathi, eine Freiwillige aus Deutschland führte uns in die Kunst des Capoeira ein. Die verschiedenen Schritte waren aber gar nicht so einfach auszuführen. Wenn man den Profis zuschaut, sieht es sehr einfach aus, es selbst zu machen, ist dann eine andere Sache. Wir hatten viel Spass dabei aber ich büsste meinen Einsatz mit einem unglaublichen Muskelkater, der die nächsten paar Tage anhielt. Nach dem Workshop stand dann für mich kochen auf dem Programm. Nicky hatte den Plan und ich und Bob waren die Meistergemüseschnätzler. Da hier die verschiedensten Menschen mit verschiedenen Essgewohnheiten zusammenkommen, wird auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingegangen. Was bei uns vielleicht mit Fleisch/ohne Fleisch heissen würde heiss hier auf der Farm vegetarisch, vegan, glutenfrei und jegliche möglichen Kombinationen, vegetarisch-glutenfrei, vegan-glutenfrei, vegetarisch aber ohne Linsen, vegan aber mit Honig...
Ich geniesse die Essenskultur hier sehr, da ich immer einfach zugreiffen kann ohne fragen zu müssen, ob da Fleisch drin sei oder nicht.
Am Nachmittag ging es weiter mit Workshops, wo ich mich in AkroYoga übte. Am Abend gab es zwei weitere Konzerte und anschliessend wurde Musik aufgelegt. Für das Fest besorgten wir extra einen Generator, so nutzten wir die uneingeschränkte Elektrizität voll aus. Normalerweise kriegen wir den Strom von zwei Solarpannels, die allerdings nur für bewussten Konsum reichen. An bewölkten Tagen heisst das, dass wir aauf Kerzen umstellen und Elektronische Geräte wie Handys oder Laptops nicht geladen werden können. Es ist zwar manchmal etwas umständlich so aber ich lerne Elektrizität wieder schetzen und werde mir bewusst, das es nicht eine Selbstverständlichkeit ist. Das gleiche gilt für den Wasserkonsum. Momentan sind wir in der Regenzeit und daher ist das Thema Wasser nicht so problematisch. Trotzdem sind wir darauf bedacht, Wasser mit Bedacht zu benützen.
Am Sonntag gab es dann einen kleinen Markt, wo verschiedene Leute ihre Waren anboten. Fröhliches Zusammensein beim schönsten Wetter. Am Nachmittag gab es noch eine kleine Zeremonie, um das neue Bauprojekt der Farm zu segnen. Am Abend verliessen dann die meisten Gäste die Farm und wir waren wieder undter uns. Zum Abschluss gab es ein Family-Cabaret. Ein kleines Theater von uns für uns, welches die Lachmuskeln kräftig anregte.
Am Montag wäre eigentlich aufräume geplant gewesen aber Nicky und Helen beschlossen, dass wir ein Freitag einlegen um uns vom Wochenende zu erholen. Morgen ist schliesslich auch noch ein Tag und das Aufräumen läuft uns nicht davon. Rob und das Buildingteam bauten in den vergangenen Tagen eine Slippyslide, eine Art Rutschbahn, die in einem kleinen Pool endet. So war der Vormittag voll ausgebucht. Einer nach dem anderen gab sein bestes auf dem rutschigen Plastik. Bäuchlings, sitzend, stehend kamen sie heruntergerutscht. Mir war es zu kalt um die Rutsche selbst auszuprobieren. Doch schon das zuschauen alleine machte riesen Spass. Ich sass am Poolrand und konnte mich vor lachen kaum halten. Später trnken wir heisse Schokolade um uns aufzuwärmen und am Abend gab es noch einen Film.

Es war ein wunderschönes Fest und ich bin mehr als glücklich, dabeigewesen zu sein.


Zöpfeflecht-Workshop

Macrame - Bänderknüpfen

Häckeln

Kochen und Essen





AkroYoga
Capoeira

SlippySlide- Spass zum Abschluss des Festivals

jueves, 2 de enero de 2014

Weihnachten

Zum dritten Mal hinter einander verbrachte ich Weihnachten im Ausland. Wie die Jahre zuvor war auch diese Weihnachten etwas ganz besonderes.
Nach langem hin und her hatte ich mich entschieden die Festtage auf der Farm zu bleiben und nicht, wie viele andere Freiwillige, an den Strand zu fahren. Die Idee an Weihnachten im Meer zu baden war zwar fast unwiederstehlich aber der Weg dorthin schien mir dann zu umständlich. Beinahe 90% der Ecuadorianer verbringen Weihnachten am Strand und dazu gesellen sich noch Heerscharen von Touristen. Busse sind Ausverkauft und Hostel muss man Wochen im voraus buchen wenn man auf Nummer sicher gehen will. So entschied ich mich für die bequeme Variante und blieb auf dem Land.
Wir waren Rund zehn Menschen und die Hauptaktivität der zwei Tage bestand darin zu Kochen und zu Essen. Ein Spitzenmahl folgte aufs nächste, in Sache Schlemmen und vor lauter Essen fast platzen standen wir Schweizer Weihnachten um nichts nach. Und zum Dessert gab es die grosse Überraschung schlecht hin: Zwei Mädels hatten Weihnachtskekse gebacken, Zimtsterne, Kokosmakronen und Spitzbuben, und sie schmeckten wie zu Hause. Dies war einer meiner Highlights dieses Jahres.
Am 24. schauten wir nach dem Abendessen alle zusammen "love actually" ein englische Weihnachtskomödie, wo sich, wie der Name schon sagt, alles um die Liebe dreht.

Am 25. gingen wir, nach einem ausgiebigen Frühstück, auf einen Weihnachts-Verdauungs-Spaziergang. Wir waren ca. 2 Stunden unterwegs und streiften über Felder, an abgelegenen Häuser vorei, bis wir auf einer Anhöhe gelangten mit einer umwerfenden Aussicht Unterwegs konnten wir einen Adler beobachten, der auf einem Ast sass und nachdem wir in lange genug bestaunen konnte, flog er über unsere Köpfe davon. Ein richtiges Weinachtsgeschenk, denn Adler werden hier nur selten gesehen. Man sagt sich, dass die, die einen zu Gesicht bekommen, sich Glücklich schätzen dürfen.
Später am Nachmittag gab es die Geschenkerunde. Wir machten "secret santa", wie Wichteln bei uns. Jeder zog in der Woche davor einen Namen eines anderen Bewohners und machte für diesen ein Geschenk. Es durfte allerdings nichts gekauftes sein. Nun versammelten wir uns im Yogaraum (wo wir meistens gemeinschaftliche Aktivitäten ausüben), setzten uns im Kreis und Silver, verkleidet als Samichlous, betrat den Raum. Unsere Geschenke befanden sich in einem grossen Sack und er verteilte eines nach dem anderen. Eine Tradition aus Estland besag aber, dass nur diejenigen ihr Geschenk kriegen, die dem Nikolaus etwas vortragen, ein Lied, ein Tanz, ein Gedicht usw.. So wurde das Geschenkeverteilen zu einer kleinen Show. Die Darbietungen wurden mit Gelächter und Applaus gewürdigt undes herrschte eine richtig weihnachtliche Stimmung.
Ich verbrachte ein wunderschönes Weihnachten und obwohl ich meine Freunde und Familie vermisste, hätte es schöner nicht sein können.
Fast am schönsten von allem war allerdings, dass ich Weihnachten barfuss verbringen konnte. Und an dieser simplen Tatsache kann ich mich täglich freuen. Mein Gefühl von Freihet vergrössert sich merklich, wenn die Füsse nicht in einengende Schuhe gequetscht werden müssen.Was zu Weihnachten in der Schweiz in der Regel leider nicht (zumindest nicht ohne Frostbeulen) möglich ist.












Secret Santa - Geschenkerunde



 Draussen musizieren und zusammen sein, beim herrlichsten Wetter.




viernes, 20 de diciembre de 2013

Otavalo


Nach dem wir letztes Wochenende das grosse 5 Jahres Jubiläum gefeiert hatten, ist nun der Alltag eingekehrt. Ich fühle mich wieder so wohl, wie letztes Mal, als ich hier war.
Viel hat sich verändert und vieles ist gleich geblieben. Freudig erstaunt spaziere ich durch die Gärten und betrachte die Büsche und Bäume, die sichtlich gewachsen sind. Ja es ist allgemein grüner geworden hier, seit meinem letzten Aufenthalt, und das zu sehen freut mich speziell. Da hier jeder Regentropfen ein Segen ist, wird klar, dass jede Pflanze die wächst ein Geschenk ist. Jede Zunahme an Grün im Garten zeugt somit von der unglaublichen Arbeit, die Helen und Nicky, zusammen mit den rund 2000 Freiwilligen in den letzten 5 Jahre, geleistet haben.
Seit gestern bin ich nun in Otavalo. Ich und Julian haben zwei Tage frei und nutzten die Gelegenheit um einen Ausflug zu machen. Otavalo ist bekannt für seinen unglaublich grossen Samstags-Souvenir-Markt. 

wikitravel.org schreibt dazu:
 
Handwerksmarkt in der Plaza de Ponchos: Der Handwerksmarkt von Otavalo gilt als der gröβte seiner Art in ganz Südamerika. Zwar findet der Markt jeden Tag im Stadtzentrum statt, allerdings ist er samstags weitaus gröβer, umtriebiger und bunter als an den anderen Tagen. Hunderte von Verkäufern aus Otavalo und dem Umland verkaufen dort von etwa 7:00 - 17:00 Uhr Kunst und Krempel aus der Region, aber auch aus ganz Ecuador und den Nachbarländern Peru und Kolumbien. Otavalo ist v.a. für seine Webwaren aus Wolle bekannt, aber man findet ebensogut Silberschmuck, Holzschnitzereien, Gemälde, Panama-Hüte (welche ursprünglich eigentlich aus Ecuador kommen), Musikinstrumente und allen möglichen Schnickschnack aus Wolle, Holz, Stein und Plastik, umgeben von Garküchen, Gemüseverkäufern und einer Vielzahl von fliegenden Händlern und Marktschreiern. Nicht Jedermanns Sache, schon gar nicht für Leute mit Agoraphobie, allerdings ein Schauspiel allemal, und das Paradies auf Erden für Souvenirjäger.

Julian und ich sind extra am Freitag angereist um die Stadt vor dem grossen Spektakel am Samstag schon einmal auszukundschaften. Wir schlenderten über den "kleinen" Markt und konnten uns kaum vorstellen, dass das was wir sahen, nur die kleine Ausgabe war. Der Plan war nun, uns die Waren anzuschauen, damit wir einen Überblick kriegten, doch Kaufen wollten wir erst morgen. Überwältigt vom Angebot war es uns allerdings unmöglich diesen Plan einzuhalten. Ich kaufte eine Alpacabettdecke und Ju eine Wolljacke.
Später trafen wir per Zufall Fabio, Simone und Julietta, die ebenfalls in der Comuna de Rhiannon lebten und auch gerade in Otavalo waren. So gingen wir gemeinsam Abendessen und genossen anschliessen ein paar Biere in einer gemütlichen Bar in der Nähe des Plazas de los Ponchos. All zu spät wollten wir aber nicht zurück ins Hostel, denn wir wollten ausgeruht sein für den grossen Markttag morgen. 
Wir schliefen wie Könige, wegen der schlechten Matratzen auf der Farm, glaubten wir, noch nie in einem soooo bequemen Bett geschlafen zu haben. Die heisse Hosteldusche genossen wir ebenfalls ausgiebig. Ich duschte so lange, dass ich danach ein schlechtes Gewissen hatte. Zwar ist es hier nicht so trocken wie in Malchingui trotzdem versuche ich meinen Wasserverbrauch zu begrenzen. Die Dusche hier war aber ein solches Hochgefühl, dass ich mich dabei total vergas. So waren es die 8 Dollar (eher teuer für hiesige verhältnisse), die wir bezahlten, schon nur wegen Bett und Dusche wert.
Gestärkt machten wir uns dann auf Souvenirjagt. Ju hat super mitgehalten auf der extrem-shopping-Tour. Auf sein Verlangen machten wir zu Mittag stop in einem Restaurant. Wir setzten uns im ersten Stock und hatten einen tollen Blick über den ganzen Markt. Mit vollen Taschen verliesen wir Otavalo am späten Nachmittag. Wir waren zwar total erschöpft aber die Ausbeute hatte sich gelohnt.












jueves, 12 de diciembre de 2013

Eindrücke


Überall spriesst der Mais aus dem Boden. Wie junge Kämpfer stehen sie in Reih und Glied. Die frische, grüne Farbe als Kontrast zum graubraunen Sandboden. Wie Speerspitzen durchbohren sie den Boden, junge Energie, die die Dunkelheit verlässt. Manche Pflänzchen noch ganz klein, nur die ersten paar Blättchen sind sichtbar, andere bereits gewachsen, stehen schon fester da.
Daneben pickende Hühner auf den noch leeren Feldern. Sie nutzen ihre Chance nach Würmern und Käfern zu suchen, mit den Füssen scharrend, mit dem Schnable pickend. Scharr, pick, scharr, pick. Bis auch dieses Feld von den kleinen Maiskriegern eingenommen wird.
Es ist Nachmittag in Malchingui. Verschlafene Ruhe bei Quatro Esquinas (vier Ecken), der Kreuzung, an der sich das Leben für uns Rhiannon Freiwilligen abspielt. Läden, Internet, Panaderias (Bäckerei) und der Taxistand mit den Camionettas, die uns zur Farm bringen. Und das Telefon, das immer dann läutet, wenn jemand den Taxidienst in Anspruch nimmt.
Ein älterer Mann mit Poncho und Hut sitzt an der Strasse. Immer wieder Kinder, die laut diskutierend vorbeigehen. Die Señora, die an der Ecke, mit ihrem kleinen fahrbaren Gestell Chochos, Tostaditas, Chiffles und Popcorn verkauft. Ich kaufe eine Schale, diese Maiskörner und Bananenchips sind der beste Snack, den Ecuador zu bieten hat. Die Señora fragt mich woher ich komme, und wann ich sie denn dahin mitnehmen würde? Freundlichkeit überall, aber nie aufdringlich. Lachend sage ich, dass jetzt Winter sei in der Schwiz, und da niemand sein will.
Die Menschen sprechen sich gegenseitig mit Vecino an, Nachbar. Vecino una llamada por favor, ein Anruf bitte. Telefoniert wird in cabinas, meistens in den Internetläden vorhanden, Telefons, durch Türen und Holzwände voneinander abgetrennt.
Ältere Menschen gehen vorbei, gekrümmt von den Mühsalen des Lebens, halb so gross wie ich, ein zahnloses Lächeln im Gesicht. Manche Eindrücke legen sich ganz leicht über einen, wie die Sonne, die hinter den Bergen verschwindet. Oder die vorbeiziehenden Wolken, die an ihnen hängenbleiben.
Andere Eindrücke drücken sich förmlich ein, so wie der Sauerstoffmangel hier oben auf meine Lunge drückt. Reisen ist nicht immer Spass sondern manchmal harte Arbeit. Das Englische Wort travel und das Französische Wort travailler haben die selben Wurzeln. Reisen und Arbeiten also. Doch durch das Schneckentempo mit dem ich die ersten Tage hier unterwegs war, genisse ich nun jeden Hüpfer, den ich ohne Atemnot tätigen kann;-)

martes, 10 de diciembre de 2013

Ankommen

Physisch bin ich nun seit knapp einer Woche in Ecuador. Was den Rest anbelangt, bin ich mir nicht so sicher, wo der noch Steckt.
Die Reise ist gut verlaufen und auch die Ankunft in Quito velief ohne Probleme. Vom Flughafen nahm ich einen Bus in die Stadt und dann weiter mit dem Taxi in ein Hostel, das ich an Hand des Reiseführers ausgewählt hatte. Alles fühlte sich so natürlich an, ich sprach mit den Menschen, wie ich das beim letzten Mal auch tat und sofort viel es mir wieder auf: Die Menschen hier sind unglaublich freundlich.
Um herauszufinden wie ich am besten vom Flugahfen in die Stadt komme, fragte ich den Herr der wartend auf der Bank sass und erhielt eine ausführliche, hilfreiche Antwort. Und so geht es jedes Mal, sei es im Hostel, im Internetladen, auf der Strasse, im Bus. Ich wende mich mit irgendeiner Frage an wildfremde Menschen und erhalte eine freundliche Antwort. Das beherrschen der lokalen Sprache ist bei diesem Unterfangen unablässlich. Erstens verstehen viele Menschen hier in Ecuador kein Englisch (In abgelegenen Gegenden verstehen sie oft nicht einmal Spanisch!) und zweitens ist man gleich viel sympatischer.
Nach einer erholsamen NAcht, ich viel bereitsum 7 Uhr abends in einen komatösen Schlaf, machte ich mich auf, zu meinem ersten Frühstück. Die erste Entäuschung erfuhr ich, als ich Rührei mit Tortialls bestellen wollte und merkte, dass hier Tortillas keine Maisfladen sind, wie in Mexiko, sondern mit Kartoffeln gemacht werden. Ich erhielt dann das Rührei mit einem Sandwitch, ohne Fleisch, was für zusätzliche Verwirrung sorgte. Es schmeckte aber gut und ich fühlte mich noch ein Stück "heimeliger".
Danach packte ich meine Sachen und machte mich zur Bushaltestelle auf, um an den Busbahnhof zu fahren.Die Schwierigkeit war, den richtigen Bus zu erwischen, was mir dann tatsächlich misslang. Erst als ich schon im Bus war, bemerkte ich durch erneutes Fragen meinen fehler. Die Menschen halfen mir aber gleich weiter, erklähren mir, das ich jetzt bloss zur Endstation fahren muss und von dort aus den nächsten Bus nehmen kann. No hay problema, alles kein Problem. Die Leichtigkeit der Menschen dieses Landes erfrischt mich immer wieder. Egal was passiert, man nimmt es an wie es kommt. No hay problema, für alles gibt es eine Lösung. Dieser Positivismus fehlt mir in der Schweiz und ich merke es immer erst, wenn ich nicht mehr da bin. Die Fähigkeit sich um nichts zu Sorgen ist beneidenswert. Während wir Schweizer in der Regel immer an alles Mögliche denken, was schief gehen könnte, geht man hier davon aus, das alles klappt und wenn nicht, wird man schon eine Lösung finden.
Nach knapp einer Stunde (!) Busfahrt erreichte ich den Busbahnhof und bereits 20 Minuten später fuhr mein Bus nach Malchingui los. In der Zwischenzeit half ich noch einem fanzösischen Päärchen (das kein Spanisch sprach) den richtigen Bus zu finden und kaufte mir einen Snack an der tienda (Laden). Gekochte und geröstete Maiskörner an einer Art Tomatensauce, jammi, und wieder ein Stück heimeliger.
Nach ca. zwei Stunden Fahrt trafen wir in Malchingui ein. Ich kannte mich zum Glück noch aus und als letzte Etappe fuhr ich mit der camionetta (eine Art Taxi) auf die Finca, wo ich herzlich empfangen wurde.
Die letzten Tage verbrachte ich nun mit Anklimatisieren. Der Jetlag, die Klimaveränderung, die neuen Bakterien, die vielen Leute (wir sind um die 20ig momentan) und der Höhenunterschied machte mir nicht wenig zu schaffen. Zwei Tage lag ich flach und jetzt fühle ich mich wie eine 80 jährige Oma, die im Zeitlupentempo ihren Alltag bestreitet. Der Wechsel von den 400 Meter über Meer in Biel auf 2850 M. ü. M. in Malchingui in nur einem Tag, war etwas viel für meinen Körper. Und ich muss ihm recht geben, es ist schon eine heftige Umstellung. Immerhin ist jetzt die Übelkeit vorbei und die Kopfschmerzen meisten auch. Das Zeitlupengefül wird ebenfalls immer besser, es ist noch eine Frage von Tagen und in Anbetracht dessen finde ich: No hay problema, alles wird gut.

Der erste Morgen in Quito


Comuna de Rhiannon, die Finca in Malchingui

Mein Schlafplatz für die nächsten zwei Monate, mit meiner "Mitbewohnerin" Ester aus Estland.

martes, 3 de diciembre de 2013

Tag 1 - eine neue Reise beginnt

Abflug
Wir rollen über das Rollfeld, immer weiter und weiter, es scheint als würden wir nach Panama fahren und nicht fliegen. Da kommt die Durchsage des Pilotes: "Few minutes to take off".
Man hört die Turbienen immer lauter brummen, das Flugzeug beschleunigt sich und mein Körper wird in den Sitz gedrückt. Und schon hebt die Maschine vom Boden ab. Weit unten scheinen sich Schlangen von Autos wie Riesenwürmer durch die Dunkelheit fressen.
Und während der Ohrdruck immer mehr steigt, wird das Lichtermeer immer kleiner. Wir verlassen den alten Kontinent und langsam realisiere auch ich, das ich abgereist bin.

Ein weiteres Mal muss ich Andreas Altmann Recht geben wenn er in seinem Buch schreibt:
Jede Art des Reisens ist ein Weg der Welterkenntnis.
Nur wach muss man sein. Weltwach. Nur platzen vor Neugierde."
Und weiter sagt er, "Lieber Streuner werden als Bürolaiche."

Und so bin auch ich süchtig, bin ein Junkie sozusagen, und meine Droge heisst Reisen. Wiederum in Altmanns Worten "Existiert doch kaum etwas anderes im Universum, das mehr Kicks verschafft, als Abhauen und Abheben. Als Reisender wird man jeden Tag reicher: Weltreicher, geistreicher, geheimnisreicher."
Genau so erklährt sich auch die Tatsache, dass ich kaum 20 Stunden unterwegs, bereits Erlebtes zu berichten habe, welches für Tage reichen würde.

Zum Beispiel die "gackernden Hühner", meine lateinamerikanischen Sitznachbarinnen, vom Frankfuhrt - Santa Domingo Flug, die so herrlich lebendig waren. Oder das Einatmen der ersten südamerikanischen Luft seit meiner Rückkehr, die selbst im Flugzeugaus-einsteigeplasticktunnel richtig nach Heimat roch. Oder Pole und Basile im Zug zum Flughafen Zürich beobachten. Wie sie mit ihren 3jährigen Kinderaugen durch jeden  Zug oder Bagger, der am Fenster vorbeizieht, vor Aufregung fast zerplatzen. Und mit so kleinen Highlights könnte ich Seite um Seite füllen, mit so kleinen Highlights werde ich hier meine Tage verbringen..



über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein..

Am Flughafen in Panama-City, alles scheint irgendwie improvisiert, alles scheinbar irgendwie hingestellt. Mein Rucksack kam trotzdem zeitgleich mit mir in Quito an und das nach zweimal Umsteigen und einer Zwischenlandung. Das scheinbare Chaos klappt doch!
 

viernes, 5 de octubre de 2012

15 September – Nationalfeiertag Mexiko


Schon gestern hatten wir etwas zu Feiern, es war Joshis erster Geburtstag. Pepi,  die Mutter, fand dies allerdings nicht so wichtig. Sie weiss zwar, dass hier in Mexiko der 1. Geburtstag gross gefeiert wird aber sie hatten weder überflüssig Geld noch Zeit und fand, dass er eh noch zu klein ist und sich später nicht erinnern wird können. Sie wird dann richtig feiern, wenn er etwas älter sein. Die Freunde der Familie aus dem Dorf liessen sich aber die Ferier nicht nehmen, und so kamen sie sammt Kuchen und Pinata ins Campamento. Wenn Pepi kein Fest machen will, dann bringen wir das Fest halt zu ihr, werden sie gedacht haben. Es war dann doch ganz amüsant, vor allem für mich auch zu sehen wie ein erster Kindergeburtstag gefeiert wird. Wichtigstes Element, neben dem Geburtstagskind natürlich, ist die Pinata, eine Puppe aus Papmachee gefüllt mit Süssigkeiten . Diese Puppe, die es in x-beliebigen Variationen und Motiven zu kaufen gibt, in unserem Fall war es ein Tieger, wird an einer Schnur aufgehängt.  Dann kann ein Kind nach dem anderen mit einem Stock auf das Ding hauen, während ein Erwachsener an der Schnur ziehend die Puppe hoch und runter fliegen lässt. Ein Liedchen wird dazu gesungen. ”Dale, dale, dale no pierdas el camino porque si lo pierdas, pierdes el destino. Dale, dale, dale no le dio, porque si no la tinas sigo yo..” und ist das Lied vorbei kommt das nächste Kind dran. Bis das Ding so zusammengehauen ist, dass das Pappmachee an einer Stelle reisst und ein Wasserfall aus Süssigkeiten zu Boden fällt und sich die ganze Menge von klein bis gross darauf stürzt. So werden auch Erwachsene wieder zu Kindern und schon geht der Zank los, darüber wer das Täfeli zuerst in der Hand hatte oder wer mehr ergattern konnte. Ich konnte mir das Lachen nicht mehr verkneifen, so amüsant war diese Szene mitanzusehen. Als sich alle wieder beruhigt hatten, gab es zur Stärkung Kuchen und Refresco. Refresco beinhaltet alle Süssgetränke mit Kohlensäure in jeden erdenklichen Farben und Geschmaksrichtungen, allen voran Coca Cola. Mit ein Grund wieso Übergewicht in Mexiko so eine grosses Problem ist. Zu jeder möglichen Feier oder jedem spezillen Anlass werden Refrescos getunken und das ausschliesslich oder Bier aber für Wasser oder einen natürlichen Fruchtsaft kann man lange suchen.
 Bei der Geburtstagstorte kommt ein weiteres Mexikanisches Detail zum Zuge. Das Geburtstagskind muss den ersten Bissen vom Kuchen nehmen direkt mit dem Mund. Und während des Reinbeissens wird der Kopf des zu Feiernden in den Kuchen gedrückt. Je älter das Geburtstagskind desto heftiger. Und so enden viele mit dem Gesicht voller Torte zum Amüsmant der Gäste. Joshi kam so auch seinen Happen Kuchen ab, er wird sich daran gewöhnen, es war der erste von vielen folgenden.
Heute allerdings ging es um einen ganz anderen Geburtstag, nählich um den Geburtstag Mexikos. Am 15. September ist Unabhängigkeitstag und der wird natürlich kräftig gefeiert. Wir wurden zur Feier in El Raudal eingeladen, Lucio und die Jungs waren bei der Organisation dabei und mit Vergnügen nahmen wir die Einladung an. Als wir im Dorf ankamen, war die Feier bereits in vollem Gange. Um den Hauptplatz waren Tische und Stühle aufgestellt, besetzt mit Jung und Alt. Am Rande Stand neben einem Essenstisch ebenfalls eine Jukebox wo Musik laut rausdröhnte. Uns wurde ein Tisch angeboten und Essen gebracht. Ein Teller einer traditionellen Speise für jeden und Totopos, Chips mit scharfer Sauce für alle. Dazu wurde Bier serviert und Tequilla durfte an so einem Tag natürlich auch nicht fehlen. Dann wurde getanzt und zwischendurch immer wieder kleine Spielchen gemacht. Bei einem davon mussten sich drei Teilnehmer Balons an beide Füsse binden um dann den Mitstreitern ihre Balons möglichst schnell zu zertreten, bis nur noch einer übrig war. Zuerst gab es eine Männerrunde und als die Frauen dran waren, meldete sich Steffi als Freiwillig und bekam als la Suiza kräftig unterstützung vom ganzen Dorf. Danach wurde weiter getanzt und natürlich auch weiter getrunken und die Stimmung wurde immer heiterer. Steffi und ich wurden zum Tanzen aufgeboten und nach den anfänglichen Ablehnungen konnten wir irgendwann nicht mehr Nein sagen. So liessen wir uns von den Jungs die einfachsten Schritte zeigen um immerhin ein bisschen mithalten zu können. Traditionelle Pärchentänze wie Salsa, Cumbia usw. stehen hier hoch im Kurs und je besser ein Mann tanzen kann desto grösser sein ansehen. Als das Bier ausgetrunken und die Lieder ausgetanzt waren, ging es zurück nach Hause. Ein schönes Fest war es.